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Cannabis Rezensionen

Kraut zum Wundern

Über einen Prachtband zum „Haschisch Marihuana und Hanf Museum“

Der Niederländer Ben Dronkers eröffnete 1983 in Rotterdam den Coffeeshop „Sensi Smile“ und gründete nach Jahren der Cannabiszucht 1985 die „Sensi Seed Bank“, einen der größten und erfolgreichsten Samenhändler für psychoaktiven Hanf. 1994 folgte die Gründung von HempFlax um auch beim aufkommenden Interesse an Faserhanf als nachwachsendem Rohstoff mit zu mischen. Er gilt unter Hanffans als Kulturheld, ist aber vor Allem ein erfolgreicher Geschäftsmann und Marketingprofi. Für seine Sammelleidenschaft und zur Verbreitung seiner Sicht auf Hanf und Hanfgeschichte, gründete er 1987 das „Hashish Marihuana and Hemp Museum“ in Amsterdam, später mit einer Dependance in Barcelona.

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Rezensionen

Rezension zu „Psychotropen. Eine LSD-Biographie“

Eine weiterführende Dekonstruktion von Albert Hofmanns LSD-Biographie.

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Rezensionen

Rezension zu „Cannabis Global Histories“. Wichtige Berichte zur Cannabis-Geschichte

Das vorliegende Buch vereint auf Basis einer Konferenz in Glasgow im Jahr 2018 mit gleichnamigem Titel bedeutende Beiträge führender Cannabis-Historiker zur hochinteressanten vor Allem sozialen und drogenpolitischen Geschichte des psychoaktiven Hanfs.

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Mixed Rezensionen

Kurzrezension zu Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen – Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne

Mit den Essays zum Zustand der Gesellschaft ist es ja so eine Sache: Was soll das sein, „Gesellschaft„, die Subsumierung millionenfacher Individuen unter einen Begriff? Diese Unterscheidung, die einen Unterschied macht, lässt so viel außen vor, jedenfalls dann, wenn man anfängt, dieser Gesellschaft eindeutige Merkmale zuzuordnen. Gemeinschaften, so ist sich die Soziologie weithin einig, wird es nicht mehr geben, zu unterschiedlich die Ansprüche der Menschen. Aber „Gesellschaften“ existieren als beliebte Kategorie und Andreas Reckwitz nutzt den Begriff, um den vehementen Strukturwandel zu beschreiben, den die technisch formierte Welt zur Zeit durchläuft.

In Das Ende der Illusionen – Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne schlägt der Professor den großen Bogen: Die alte industrielle Moderne mit ihren Fabriken und Produkten ist, so nicht nur Reckwitz, von einer Spätmoderne abgelöst worden, die von neuen Polarisierungen und Paradoxien geprägt ist – Fortschritt und Unbehagen liegen dicht beieinander. Digitalisierung, Überarbeitung auf der einen, prekäre Verhältnisse auf der anderen Seite, eine Parallelität von sozialen Aufstiegsprozessen der Globalisierungsgewinner, die Reisen, Yoga machen und die asiatische Küche lieben und sozialen Abstiegsprozessen derjenigen, die die Globalisierung oftmals eher kritisch sehen. So sei, so Reckwitz, eine Dreiklassengesellschaft entstanden, in der sich eine liberale, kosmopolitische neue Mittelschicht, eine verunsicherte traditionelle Mittelschicht und ein neues Dienstleistungsproletariat im kulturellen Gegensatz gegenüberstehen.

In einer Reihe von Essays arbeitet Reckwitz die zentralen Strukturmerkmale der Gegenwart heraus: die neue Klassengesellschaft, die Eigenschaften einer postindustriellen Ökonomie, den Konflikt um Kultur und Identität, die aus dem Imperativ der Selbstverwirklichung resultierende Erschöpfung und die Krise des Liberalismus.

Schwierig wird es bekanntlich immer dann, wenn aus der Analyse Schlüsse gezogen werden müssen. Der Soziologe traut sich: Man könne argumentieren, so Reckitz, dass eines der größten Defizite des in jeder Hinsicht grenzüberschreitenden Liberalismus darin besteht, „eine Kultur der Reziprozitat zu schwächen and stattdessen einseitig eine Kultur der subjektiven Interessen und subjektiven Rechte zu forcieren.“ Die Auswirkungen der beiden Flügel des liberalen seien Paradigmas: „Die Neoliberalen arbeiteten mit dem Modell eines nutzenmaximierenden Akteurs, der sich auf Märkten bewegt und dort seine Interessen vertritt; die Linksliberalen mit dem Modell eines Akteurs, der seine subjektiven Rechte gegenüber Anderen einfordert.“ Auf der einen Seite wird der Mensch so zum selbstbezogenen Konsumenten, auf der anderen zum Demonstranten in eigener Sache.

Aber wo, fragt Reckeitz, bleibt dabei der Bürger als politische Einheit mit seiner Verantwortung für die Gesellschaft als ganze? Das Soziale der sozialen Gegenseitigkeit, der Rechte und Pflichten, der Abwägung eigener und anderer Interessen, scheint in diesem Modell keinen Platz mehr zu haben. Es sei nicht verwunderlich, dass die Renaissance einer Kultur der Reziprozität, in der sich Individuen für andere und für die Gesellschaft verpflichten, in jüngster Zeit verstärkt angemahnt wird. Eine solche Politik hat etwas Unpopuläres, da die Menschen sich an eine Artikulation von Rechten und Interessen gewöhnt haben. Im populistischen Modus würden Verpflichtungen fast ausschließlich von „den Anderen“ eingefordert werden.

Reckwitz stellte folgende Fragen zur Diskussion: „Hat jemand, der staatliche Bildung in Anspruch nimmt, nicht auch eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft, seine Begabungen und Fähigkeiten zum Wohle aller zu realisieren (und nicht nur zum eigenen monetären Nutzen)? Haben Familien, die vielseitige staatliche Unterstütaung erfahren, nicht auch die Verpflichtung, die Kinder au verantwortungsbewussten Mitgliedern der Gesellschaft au erziehen (und nicht nur zu rationalen Egoisten)? Haben Personen, die auch garantiert durch eine rechtliche und zivile Ordnung durch Kapitaleinkünfte hohes Vermögen akkumuliert haben, nicht auch eine Pflicht, Teile davon an die Gesellschaft zurückzuerstatten?“

Man merkt, einen Systemwechsel spricht Reckwitz hier nicht das Wort, er möchte das kapitalistische bzw. marktwirtschaftliche System zähmen. Vielleicht ist dies Teil einer Variante, den Karren ohne gewaltsamen Umbruch aus dem Dreck zu ziehen.

 

 

 

 

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Rezensionen

Rezension Korf: Cannabis in Europe

HanfBlatt Nr. 118

Cannabis in Europa

Die vorliegende vom niederländischen Kriminologie-Professor Dirk Korf zusammengestellte Sammlung wissenschaftlicher Studien zum Thema Cannabis ist der erste Band einer geplanten Reihe der „European Society for Social Drug Research“. Diese wurde 1990 gegründet und trifft sich jährlich zu Kongressen. Im Oktober 2007 beschäftigte man sich in Warschau mit Cannabis-Fragen. „Cannabis in Europe“ versammelt interessante Arbeiten der Teilnehmer.
Korf und Vuillaume bieten einen Einstieg in die Geschichte und Schwerpunkte der Cannabis-Forschung. Demnach sind immer noch sehr viele Fragen offen.

Eine Autorengruppe berichtet vom Umgang mit Cannabiskonsumenten in dänischen Gefängnissen. In Dänemark hat man in den letzten Jahren eine Kehrtwende weg von einer eher liberalen Drogenpolitik zu einer repressiven Gangart gemacht. In den Gefängnissen versucht man im Rahmen einer „Null Toleranz“-Politik die Insassen durch Drogentests zu kontrollieren. Cannabiskonsumenten haben wie Drogenabhängige Anspruch auf eine therapeutische Behandlung. Sie selbst zeigen sich meist wenig einsichtig bezüglich ihres Konsumverhaltens. Bei chronischen Langzeitkonsumenten, die bereits jung angefangen haben täglich zu konsumieren, meint man Reifungsverzögerungen, Schwarz-Weiss-Denken und paranoide Züge erkennen zu können. Allerdings scheint es den reinen Kiffer kaum zu geben. Fast alle regelmäßigen Cannabis-Konsumenten konsumieren demnach auch andere Drogen, mit denen sie meist mehr Schwierigkeiten haben. Man bietet im Knast Verhaltenstherapie an und setzt auf Psychopharmaka zur Linderung der vermeintlichen Symptome eines Cannabisentzugs.

Auch in den Niederlanden hat man sich für eine härtere Gangart in Sachen Hanf entschieden, was Marije Wouters dokumentiert. In den Jahren 2005 und 2006 wurden jeweils 6000 Cannabis-Zuchtanlagen ausgehoben und 2,7 bzw. 2,8 Millionen Hanfplanzen vernichtet. Der Kilopreis von Gras mittlerer Qualität stieg von etwa 2800 Euro auf 3500 Euro. Der Abbau von Pflanzanlagen, für den sich die Polizei zu Schade ist, ist für einige Privatunternehmen zu einem lukrativen Geschäft geworden. Auch die Elektrizitätsunternehmen arbeiten an der Lokalisierung von Zuchtanlagen mit, weil in vielen Fällen illegal Strom abgezweigt wird. Den Überführten flattern dann zusätzlich zu den durch Beschlagnahmungen, Geldstrafen und Steuerforderungen entstehenden Kosten auch noch hohe Stromnachforderungen ins Haus bzw. in den Knast. Eine kostenlose anonyme Denunzianten-Hotline wurde von staatlicher Seite aus eingerichtet. Hier haben Nachbarn Gelegenheit ihre Streitigkeiten auszutragen. Konkurrenten auf dem Cannabis-Markt erhalten die Möglichkeit ihre Gegner ganz legal auszuschalten. Immerhin wurden 2006 infolge der eingegangen Tips 753 Menschen verhaftet und 210.000 Pflanzen beschlagnahmt. Die Hotline mit der massenhaften Denunziation von Prohibitionisten zu beschäftigen, auf die Idee scheint dort noch niemand gekommen zu sein.

Diese Politik spielt natürlich skrupellosen Geschäftemachern, wie den Vertreibern von am Menschen ungetesteten Chemikalien als Cannabisersatz, und insbesondere dem organisierten Verbrechen in die Hände. Nur dieses verfügt über das entsprechende Kapital und die Logistik auf den Verfolgungsdruck zu reagieren, indem es die von Strohmänern betriebenen aufgeflogenen Anlagen abschreibt oder die Produktion ins benachbarte Ausland verlagert.

Über den Cannabisanbau-Boom in Belgien berichtet Decorte. Dort produzieren Selbstversorger ihr eigenes Gras, weil sie nur so sicher sein können, welche Qualität das von ihnen und ihrem Umfeld konsumierte Produkt hat. Auf der anderen Seite stehen die Zulieferer für den holländischen Coffeeshop-Markt. So manch eine Blüte wird auf diesem Umweg wieder zurück nach Belgien transportiert.

Auch in Großbritannien, wo man in Sachen Cannabis ebenfalls vor Kurzem eine Kehrtwende in Richtung Repression gemacht hat, boomt der Anbau unter Lampen, worüber Potter schreibt („Garry“ wohlgemerkt). Das heimische Produkt beginnt die klassische Importware sukzessive zu ersetzen. Gemessen an der Zahl der beschlagnahmten Pflanzen (für 2005 etwa 208.000) hinkt der Anbau noch weit hinter den holländischen Unternehmungen hinterher.

Werse hat in Frankfurt am Main Untersuchungen zum Cannabismarkt angestellt. Demnach läuft die Versorgung größtenteils im privaten Bereich über Freunde oder vornehmlich ihren eigenen Konsum finanzierende Wohnungsdealer. Über den mit qualitativ minderwertigerer und teurer Ware sowie mit Abziehrisiken assoziierten Strassenhandel durch türkischstämmige oder nordafrikanische Dealer versorgen sich dagegen eher Ortsfremde oder Kunden ähnlicher Herkunft.

Stevenson hat sich den Cannabishandel in Nordirland aus Konsumentenperspektive angeschaut. Dort sind Dealer und Konsumenten neben dem Risiko strafrechtlicher Verfolgung auch noch der Willkür katholischer und protestantischer Paramilitärs ausgesetzt, die zwar selbst in alle möglichen Arten krimineller Aktivitäten involviert sind, sich aber in ihren Wohnvierteln gegenüber sozialen Abweichlern als Richter und Vollstrecker mittels Knieschüssen und Morddrohungen aufspielen.

Freya Vander Laenen und Eveline De Wree haben analysiert, warum die Drogenprävention in Sachen Cannabis bei gefährdeten Jugendlichen so uneffektiv ist. Besonders auf Angst vor der Sucht basierende Anti-Drogen-Botschaften gehen bei den Betroffenen nach hinten los. Drogenprävention ist bekanntlich bei Politikern beliebt, weil sie sich damit den Mantel scheinbarer Aktivität überwerfen können. Die bereitgestellten Pfründe locken wiederum akademische Theoretiker, die sich immer neue Konzepte von fragwürdigem Nutzen ausdenken können, sowie SozialarbeiterInnen, die von der frustrierenden Frontarbeit mit Suchtkranken unter den realen Bedingungen der Prohibition genug haben und sich lieber auf dem Abenteuerspielplatz der Drogenprävention tummeln.

Sarosi und Demetrovics erzählen von der Situation in Ungarn, einem traditionellen Anbauland für Faserhanf und Mohn, das in den 90er Jahren einen gewissen Rauschhanfboom erlebte, drogenpolitisch aber zur Jahrtausendwende unter die Hardliner geriet. Man versuchte sogar Konsumenten, die sich blauäugig gegenüber den Behörden zu ihrem Konsum bekannt hatten, wegen eines hochgerechneten Lebensverbrauchs an Cannabis zu bestrafen. Es gibt zwar eine mutige aktive Opposition von Bürgerrechtlern (die HCLU), die mit einer Reihe von Aktionen (z.B. Urinprobe an den Premierminister) auf das drogenpolitische Elend aufmerksam machte, doch Großrazzien auf Tanzclubs mit zwangsweisen Drogentests in den vergangenen Jahren sprechen nach wie vor die Sprache der Repression. Die protestierenden Stimmen nicht nur von Bürgerrechtlern, sondern auch von mit den Folgen der Prohibition unmittelbar konfrontierten Gesundheitsarbeitern wären dort wie hier dringend gefragt.

az

Dirk J. Korf (ed.)
„Cannabis in Europe:
Dynamics in Perception, Policy and Markets.“
Lengerich 2008
www.pabst-publishers.com
174 S., in Englisch
ISBN 978-3-89967-512-2

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Rezension zu Michael Geißler: Acid, Mao und I Ging. Erinnerungen eines Berliner Haschrebellen

Kurioses aus den Aufzeichnungen eines Haschrebellen

Wer in den 60ern dabei war und sich noch an irgendetwas erinnern kann, was tatsächlich passiert ist, der war angeblich nicht wirklich dabei und war wahrscheinlich nicht richtig high. Der 2003 verstorbene Berliner Haschrebell Michael Geißler war definitiv dabei. Seine jetzt posthum veröffentlichten an Münchhausen und Castaneda erinnernden irrwitzigen Kifferstories, Trips zu hirnspeisenden serienmordenden Gurus, steinalten Arsenikessern, mit von Meskalin erleuchteten Terroristen, durchgeknallten Makaken, auf Satanistenärsche niederfahrenden Kugelblitzen, Elfentänzen und dergleichen, geben einen immerhin amüsanten Einblick in die ausufernde Phantasiewelt und Denke eines schelmischen Extremisten einer bizarren Szene von mehr oder weniger sympathischen SpinnerInnen einer Zeit, in der Alles möglich schien – Klolektüre.

Michael Geißler: Acid, Mao und I Ging. Erinnerungen eines Berliner Haschrebellen
gonzo Verlag, Mainz 2008
Tb., 257 Seiten
ISBN 978-3-9812237-0-5
12.95 Euro

 

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Rezension AILO – Concepts

HanfBlatt Nr. 111 AILO – Concepts cover
Frage: Wie komponiert man Chill-Out-Music, in der sich der Hörer sphärisch aufgehoben fühlt ohne sich zu weit in den unendlichen Räumen des Kosmos zu verlieren? Antwort: Wie Ailo es tut. Das griechische Duo hat ein exzellentes downbeat-Album aus einem Guss vorgelegt. Ost und West in Symbiose, physisch starke Sounds, alles mit Liebe zum Detail abgemixt. Das erinnert an FSOL, spielt aber nicht ganz so sehr mit der Aura, wirkt kräftiger. Die akustischen Gitarren klingen konkret, die schnorchelnden Amöben robben über sie hinweg, im Hintergrund lockt der Klang des anatolische Cafés: Klangwelten. Dabei ist der Sound nie breiig, sondern immer crisp. Fazit: Zart-bitter Chill-Out mit perlenden Sequenzer-Schichten und naturnahen Sounds. Tiefenentspannung ohne Melancholie, wenig Pathos, aber auch wenig Kanten. Alles zieht gleich Rauchschlieren aus einer gut gestopften Pfeife vorüber. Töne zum wegdriften, danach fragt man sich, was man eigentlich die letzte Stunde gemacht hat.

AILO: Concepts
Label: Iono Music

 

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Rezension Pinchbek – 2012: Die Rückkehr der gefiederten Schlange

HanfBlatt Nr. 116

Kopf aufgebrochen für 2012

Wintersonnenwende 2012 ist Stichtag für Apokalyptiker, erlösungshungrige Esoteriker und paranoide Psychotiker. Großartiges werde geschehen. Darauf deute schon der alte Maya-Kalender hin, so sagt man. In der durch Empathogen- und Psychedelika-Konsum weichgespülten Rave-Szene ging einst der rhetorisch begnadete Psilo- und DMT-Apostel Terence McKenna mit seinen Visionen von anstehenden Transformationen hausieren. Die Verifizierung blieb ihm in Folge eines tödlichen Hirntumors erspart. Nun versucht der amerikanische Journalist Daniel Pinchbek noch rechtzeitig auf diesen Wagen aufzuspringen. Mit „Breaking open the Head“ (2002) hatte er als teilnehmender Beobachter interessante Einblicke in die damalige psychedelische Szene geboten. Sein Nachfolgewerk ist dagegen ein mit Zitaten und Gedankensalat aufgeblähtes langatmiges und ermüdendes Dokument eines von esoterischem Input überladenen Suchenden der sich individuellen Impulsen folgend relativ ziel- und orientierungslos durch die Ödnis der längst noch nicht ausgestorbenen New Age-Szene treiben lässt.

Von Quantensprüngen über Ufos, Avalon und Kornkreisen bis zum heiligen Gral und den Hopis, nichts bleibt dem Leser erspart. Über seinen anstrengenden Ego-Trip vernachlässigt der Autor Frau und Kind und entdeckt die Freuden des spontanen Fremdgehens, und muss daraus gleich den Versuch der Kreation einer neuen globalen Sexualitätsphilosphie von kosmischen Dimensionen machen. Da schmunzelt selbst der Bonobo. Nun gut, die Verzettelung in esoterischem Mindfuck war schon immer eine der bedauerlichen Degenerationserscheinungen gegenkultureller Bewegungen. Am Ende landet der Autor bei der Sekte der Ayahuasca schlürfenden Daimistas in Brasilien und erhält eine Prophezeiung, die wohl der Garant für Einladungen zu kommenden Vorträgen in der Eso-Szene sein soll, direkt von der gefiederten Schlange natürlich, der alten Maya-Gottheit Quetzalcoatl, in Form einer knappen wenig originellen aber gefälligen New Age-Fusionsschau. Immerhin gibt Pinchbek zu bedenken, dass das Ganze auch einfach nur seinem aufgebrochenen Kopf entsprungen sein könnte.

az

Daniel Pinchbek
„2012. Die Rückkehr der gefiederten Schlange.“
Sphinx bei Hugendubel Verlag,
Kreuzlingen/München 2007
Geb. mit Su., 480 S.
ISBN 978-3-7205-9000-6

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Rezension: Grice Scott – Die schönen Blödmacher

HanfBlatt Nr. 109

Schön ist, wenn bereits der Titel eines Buches so viel über dessen Inhalt aussagt, dass ein unsinniger Kauf vermieden werden kann. Im englischen Original heißt das Buch von Trevor Grice und Tom Scott „The Great Brain Robbery“, die deutsche Übersetzung „Die schönen Blödmacher“. Beide Titel weisen auf die einseitige und vereinfachte Darstellung eines an sich komplexen Sachverhalts hin. Tom Scott behauptet schon in der Einleitung: „Tatsächlich konnte man bis vor Kurzem Cannabis verteidigen – weil das endgültige Urteil noch ausstand. Aber das hat sich geändert. Wissenschaftler aus aller Welt sind in den Gerichtssaal zurückgekehrt, und das Urteil lautet: schuldig!“.

Dieser Tenor durchzieht das gesamte Werk, welches sich als „Lese- und Arbeitsbuch für Jugendliche und Erwachsene“ bezeichnet: Cannabis und die anderen Drogen sitzen auf der Anklagebank, aber von einem fairen Prozess kann nicht die Rede sein. Längst überholte Behauptungen aus der Mottenkiste der Reefer-Madness-Ära (verminderter Sexualtrieb durch Kiffen), veraltete Informationslage (Marihuana sei „in keiner Weise ein wirksames, sicheres Medikament“) oder schlicht falsche Beschreibungen der Wirkung einer Droge (LSD führe zu „starker Müdigkeit“). Dazu kommt noch simple Angstschürung („die Methoden der Drogendealer sind raffinierter geworden“) und fadenscheinige Bilder („Marihuana ist ein Einbrecher. Er arbeitet heimlich und hinterlässt keine Spur. Am Morgen danach sieht es so aus, als ob alles in Ordnung wäre, doch nichts funktioniert mehr richtig.“). Und ausgerechnet im Kapitel „Die harten Fakten“ werden wissenschaftliche Scheingenauigkeit und christliches Weltbild vermengt („Die Synapse, der Treffpunkt von Elektrizität und Chemie, ist der Ort, wo stimmungsverändernde Substanzen (…) ihre schwarze Magie entfalten.“).

Im Kapitel über Marihuana wollen Scott und Grice den „schlagendsten Beweis für die anhaltende Negativwirkung von Marihuana auf das Gedächtnis“ an einem Versuch festmachen, den Forscher um V.O. Leirer mit Piloten im Jahre 1991 durchführten. Diese sollten 24 Stunden nach einem Joint im Flugsimulator brillieren, schnitten dabei aber schlechter ab als die nüchterne Kontrollgruppe. Hätten Scott und Grice den Bericht wirklich gelesen, hätten sie bemerken müssen, dass Leirer und seine Kollegen von „sehr feinen“ und „sehr marginalen“ Unterschieden in der Performance sprachen, die weniger ausgeprägt waren, als die durch das Alter der Piloten verursachten Unterschiede.

So spielt das Buch mit den Ängsten von Eltern, Lehrern und Kindern und ist zu keiner Zeit in der Lage den Zeigefinger runter zu nehmen. Das im Kern für jede Droge eine Dosis-Wirkungsbeziehung herrscht scheint die Autoren nicht klar zu sein. Es stellt sich zudem die Frage, ob sie tatsächlich daran glauben, dass sie auf Basis ihres Abstinenzparadigmas einen Zugang zur Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen erhalten.

Harsch gesagt: Es ist nahezu unvorstellbar, dass irgendeinem, der deutschen Sprache mächtigen Jugendliche oder Erwachsenen männlichen oder weiblichen Geschlechts, dieses Buch eine Hilfestellung sein könnte.

Tom Scott, Trevor Grice:
Die schönen Blödmacher – Was man über Drogen wissen muss
Verlag An der Ruhr
Mülheim an der Ruhr 2007
Broschiert: 179 Seiten
ISBN-10: 3834602302
EUR 16,50

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Rezension Broeckers/Liggenstorfer: Albert Hofmann und die Entdecktung des LSD

HanfBlatt Nr. 101

Auf dem Weg nach Eleusis. Albert Hofmann und das LSD.

Der Schweizer Chemiker Albert Hofmann durfte am 11. Januar 2006 in Basel seinen 100. Geburtstag feiern. Weltberühmt ist er für seine zufällige Entdeckung der erstaunlichen Wirkungen des LSD (LysergSäure-Diäthylamid) im Jahre 1943. Er arbeitete damals für den Pharmakonzern Sandoz (heute Novartis) und hat später immer wieder ausgiebig von diesem Ereignis erzählt. In seinen Augen kam das LSD zu ihm. 1958 isolierte er aus den mexikanischen Zauberpilzen erstmals die Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin und synthetisierte diese. 1960 fand er in den Samen der mexikanischen Zauberwinde Ololiuqui psychoaktive Lysergsäure-Alkaloide. Eine Sensation, hatte man derartige Alkaloide doch zuvor nur aus dem Mutterkorn-Pilz gewonnen. Die Entdeckung des Wirkstoffes des mexikanischen Wahrsagesalbeis, Salvia divinorum, den er auch untersuchte, blieb Anderen vorbehalten.

1963 fand er in den kleinen in Europa überall spriessenden Spitzkegeligen Kahlköpfen, Psilocybe semilanceata, ebenfalls den Wirkstoff der „Magic Mushrooms“ und öffnete damit die Pforten für den import- und zuchtunabhängigen Gebrauch hierzulande. Hofmann selbst nahm gelegentlich und gut vorbereitet gemeinsam mit anderen bürgerlichen Intellektuellen aus seinem Freundeskreis (u.a. dem Autoren Ernst Jünger, „Annäherungen“, und dem Orientalisten Rudolf Gelpke, „Der Rausch im Orient und Okzident“) LSD und Psilocybin und hat davon in seinem Standardwerk „LSD-Mein Sorgenkind“, dessen Titel Jünger übrigens zu mütterlich fand, berichtet. Ungewollt war er ein Wegbereiter der psychedelischen Welle der Sechziger. Von den messianischen Psychedelika-Aposteln vom Typus eines Timothy Leary hat er sich immer distanziert, ohne einen Dialog mit ihnen zu verweigern. Von einem massenhaften Gebrauch, der automatisch zu einer irgendwie besseren Welt führen würde, wie er in dieser Zeit propagiert wurde, hielt er nichts, sah er doch auch die psychischen Risiken, die derart potente Hilfsmittel unter falschen Voraussetzungen eingenommen, bergen.

Sympathisch war ihm dagegen ein sozial integrierter Gebrauch ähnlich dem des Kykeons der eleusinischen Mysterien. Fast 2000 Jahre lang wurde im antiken Griechenland im Tempel von Eleusis ein Gebräu serviert, dass den Adepten in diesem Rahmen eine Erfahrung der Einheit mit der Schöpfung und der Auflösung der Grenzen zwischen Leben und Tod bot, die prägende Wirkung auf das alltägliche Leben hatte. Gemeinsam mit dem Mykologen Gordon Wasson und dem Religionsgeschichtler Carl Ruck spekulierte Hofmann 1978 darüber („Der Weg nach Eleusis“), ob es sich bei dem Kykeon nicht um eine spezielle Zubereitung aus Mutterkörnern gehandelt habe, die LSD-ähnlich gewirkt haben könne. Sein naturmystisches Weltbild fand in der psychedelischen Erfahrung, die ihn an eine ähnliche Kindheitserfahrung in der Natur erinnerte, Bestätigung. Mystische Erfahrung und Naturwissenschaft schließen sich nicht einander aus, sondern ergänzen sich. Das Wunder der Schöpfung wird in Anbetracht naturwissenschaftlicher Beschreibung keineswegs kleiner, sondern größer. Und letztlich ist jeder Einzelne Schöpfer eines eigenen Universums, erwacht doch in ihm erst in einzigartiger Weise das ganze Wunder dessen, was ist. In Anbetracht der teilweisen

Wissenschaftsfeindlichkeit in den alternativen Szenen der 60er ist es schon eigenartig, dass gerade Albert Hofmann und seine bedeutende Stimme alle Irrungen und Wirrungen überdauert hat. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass er nun mal nicht zu den radikalen Psychonauten gehört, die exzessiv und hochdosiert konsumierend, verständlicherweise dementsprechend bizarre Botschaften aus dem Jenseits ihrer Erfahrungen mitbrachten und bringen, aber das ist auch gut so. So steht Albert Hofmann für das, was Psychedelika vernünftig eingesetzt in einer ideal(isiert?)en Gesellschaft sein könnten: Wissenschaftliche, therapeutische und sakramentale Hilfsmittel um ein glücklicheres Leben in Einklang mit der Natur zu führen. Tatsache ist aber, auch wenn man sich den sozusagen von einer weisen Elite kontrollierten Gebrauch wünschen mag, dass der psychedelische Geist längst aus der Flasche ist. Er steht den Menschen überall wild, frei und ungezwungen zur Verfügung. Was man daraus macht, obliegt letztlich jedem Einzelnen. Wer nun neugierig auf Albert Hofmann geworden ist, oder als Fan von seinem philosophischen Werk, insbesondere von „Einsichten Ausblicke“, nicht genug von ihm kriegen kann, dem schenken Roger Liggenstorfer (Nachtschatten-Verlag) und der Journalist Mathias Broeckers („Hanf“) mit „Albert Hofmann und die Entdeckung des LSD. Auf dem Weg nach Eleusis.“ einen schönen Band, der sieben Texte von Hofmann selbst enthält, obendrein ein aufschlussreiches Interview, das die Herausgeber im August 2005 mit ihm geführt haben, zahlreiche Fotos aus seinem Familienalbum, sowie Essays von Myron Stolaroff (Autor von dem Meisterwerk „Thanatos to Eros“!), Ralph Metzner (psychedelisches Urgestein), Günter Amendt (dem Erfrischenden), Wolf-Dieter Storl (dem Anregenden), Jonathan Ott (dem Visionären), Christian Rätsch (no comment;-) und Claudia Müller-Ebeling (über Künstler und LSD!) und der Herausgeber selbst. Ein Veröffentlichungsverzeichnis ergänzt das Ganze. Eine gelungene stimulierende und wertvolle Hommage.

az

 

Mathias Broeckers/ Roger Liggenstorfer (Hrsg.)
„Albert Hofmann und die Entdeckung des LSD.
Auf dem Weg nach Eleusis.“
Lizenzausgabe für AT Verlag, Baden
Nachtschatten Verlag, Solothurn 2006
Geb.; 143 S., 18 SW-Foto-Seiten
ISBN 3-03800-276-3