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Mixed Übermensch

„Der Dandy ist geübt darin den Ast abzusägen, auf dem er sitzt.“

Interview mit Hans-Christian Dany über die Aktualität der Figur des Dandy

Seine Eleganz erscheint mühelos, zugleich können seine spielerische Irritationen in den Zeiten des Übergangs helfen. Begleitend zur Ausstellung „No Dandy, No Fun“ in der Kunsthalle Bern haben Hans-Christian Dany und Valérie Knoll ein Buch über eine noch immer moderne Erscheinung geschrieben.

Jörg Auf dem Hövel

Frage:
„Mode-Geck mit fünf Buchstaben“, fragt das Kreuzwort-Rätsel. Welchem Irrtum sitzt man auf? Warum ist der Dandy so eingeflossen in das allgemeine Bewusstsein?

Hans-Christian Dany:
Es gibt eine allgemeine Vorstellung von einem Mode-Geck, also von jemandem, der Übertriebenen, dabei gar nicht unbedingt modisch, eher konservativ gekleideten Herren, der elegant ist, Einstecktuch trägt. Das sind Adaptionen von der Urfigur des Beau Brummel. Interessanter schien uns die Denkfigur, die dahinter verborgen ist und durch die im 19. Jahrhundert im Zuge der Aufklärung die Figur des Stoikers weitergedacht wurde. Also eine Figur, die sich eher in Askese übt, die sich nicht mehr farbig angezogen, sondern schwarz-weiß.

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Gesundheitssystem

Bewusste Träume auf Knopfdruck

Von Jörg Auf dem Hövel

Frankfurter Forscher stimulieren Hirn mit Schwachstrom, Testpersonen träumen daraufhin luzid

Es gehört allerhand Training dazu, sich während des Träumens darüber bewusst zu werden, dass man träumt. Normalerweise führen die Bilderwelten im Schlaf ein Eigenleben. Forschern um Ursula Voss von der Universität Frankfurt ist es nun gelungen, „luzides Träumen“ über schwache Stromimpulse zu entfesseln und ihre Arbeit im anerkannten Journal Nature Neuroscience zu veröffentlichen.

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Mixed

Smart Drugs Studie: Motiviert, aber nicht besser?

Einige Substanzen stehen in dem Ruf, nicht nur die Durchhaltefähigkeit, sondern auch die Problemlösungskompetenz zu steigern. Die Wirksamkeit dieser sogenannten „Smart Drugs“ war schon immer umstritten, zu unklar die Studienergebnisse. Können diese Lernen und Gedächtnis verbessern oder fühlen sich die Konsumenten einfach nur schlauer?

Elizabeth Bowman und ihre Kollegen von der Universität Melbourne wollte es nun noch einmal genauer wissen und testen, ob drei bekannte Medikamente tatsächlich die kognitive Leistung verbessern. Erschienen ist der Aufsatz im renommierten Fachblatt Science Advances.

Die Autoren verwendeten dafür das Rucksackoptimierungsproblem als Modell für komplexe Aufgaben des täglichen Lebens. Bei diesem Problem geht es darum, eine optimale Auswahl von Gegenständen mit unterschiedlichem Wert zu treffen, die in einen Rucksack mit begrenzter Kapazität passen. Die Studie wurde mit den Medikamenten Methylphenidat (MPH), Dextroamphetamin (DEC) und Modafinil (MOD) durchgeführt und mit einer Placebo-Gruppe verglichen.

Vierzig Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren nahmen an der randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Einzeldosisstudie teil. Es gab solide Dosen von 30 mg MPH, 15 mg DEX oder 200 mg MOD.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Medikamente die Leistung der Teilnehmer in Bezug auf den erzielten Gesamtwert der Rucksackoptimierung verringerten, während sich die Wahrscheinlichkeit, die optimale Lösung zu finden, nicht signifikant änderte. Des weiteren führten die Substanzen zu einer erhöhten Anstrengung und Entscheidungszeit, jedoch nahm die Qualität der Leistung ab. Zudem verringerten sich die Unterschiede in der Leistung zwischen den Teilnehmern, was auf eine erhöhte Zufälligkeit der Lösungsstrategien zurückzuführen sein könnte.

Anders formuliert: Der Aufwand (Entscheidungszeit und Anzahl der Schritte zur Lösungsfindung) nahm, die Produktivität (Qualität des Aufwands) nahm jedoch ab.

Die Autoren schlussfolgern, dass diese „Smart Drugs“ die Motivation steigern können, aber die Qualität der Anstrengung, die für die Lösung komplexer Probleme entscheidend ist, verringern.

Was wäre einschränkend anzuführen? Sicherlich die kleine Teilnehmergruppe (N=40 ). Da bleiben pro Substanz oder Placebo nur wenig Personen übrig.

Link zur Studie: https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.add4165

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Kiffer Typen

Der Minimalist

Kiffer-Typen Nr. 10

Erschienen im Highway Magazin 06/2021

Man stelle sich ein Häuschen vor, aus Holz zwar tatsächlich, aber teerpappengedeckt, gelegen in einem Waldstück zerupfter Fichten, eher einer Industriebrache ähnelnd als einem idyllischen Bergweiler. Mehr Schrebergarten als denn Haus am See, der Garten wild, die Brennnesseln sprießen friedlich neben den Bauernrosen, der Schlafmohn wie zufällig neben dem Flieder. Der Schuppen windschief. Kein Autoauffahrt stört das friedliche Bild. Hier wohnt der Kiffer-Typ, den wir heute betrachten wollen: Der Minimalist.

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Elektronische Kultur Interviews Künstliche Intelligenz Mixed

„Ich verstehe nicht, was noch entschleunigt werden soll“

Hans-Christian Dany über den Stillstand des Kapitalismus und die Möglichkeiten eines Aufbruchs in eine unbekannte Zukunft

Das Ende des Kapitalismus wird regelmäßig vorhergesagt oder herbei geschworen. Der Autor und Künstler Hans-Christian Dany hat neue Anzeichen für das Hinauszögern des Endes der Ordnung entdeckt und plädiert in seinem neuen Buch „Schneller als die Sonne. Aus dem rasenden Stillstand in eine unbekannte Zukunft“ für einen Austritt aus der informationstechnischen Kontrollgesellschaft, in der jeder Beobachter aller anderen und ein von allen anderen Beobachteter ist.

Erschienen in der Telepolis

Dany lebt in Hamburg, sucht die praktische Umsetzung seiner Literatur und will gleichwohl geordnet kommunizieren. Wir verabreden uns zum Gespräch per Postkarten. Es ist ein Versuch, an das letzte Buch von ihm „Morgen werde ich Idiot“ („In einer Utopie der Idioten sehe ich die größte Gefährdung für die kapitalistische Maschinerie“) anzuschließen. Achtsamer Konsum, Entschleunigung, Big Data – im Interview erläutert Dany, warum diese Bewegungen und Phänomene nur Reparaturmaßnahmen sind und warum wir uns von der Annahme verabschieden sollten, zu wissen, wie eine bessere Welt aussieht.

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Cognitive Enhancement Drogenpolitik Gesundheitssystem

Spritzig durch den Büroalltag

Die DAK legt eine Studie zum Hirndoping durch Erwerbstätige vor

Erschienen in der Telepolis v. 22.03.2021

Es gibt wenig belastbare Zahlen über die Verbreitung von Hirndoping. Schon vor sechs Jahren hatte sich die DAK aufgemacht dies zu ändern und eine groß angelegte Befragung durchgeführt. Damals hatte es in den Medien zwar gerauscht, las man die Zahlen aber genauer (Doping am Arbeitsplatz), konnte man weithin Entwarnung geben. Hirndoping – auch „Cognitive Enhancement“ genannt, war kein verbreitetes Phänomen. Nun legt die Krankenkasse erneut eine repräsentative Studie vor, in der das Doping am Arbeitsplatz untersucht wurde. Was gibt es Neues?

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Cognitive Enhancement

Hans kann durchaus lernen, was er als Hänschen verpasst hat

Der Geist muss im Alter nicht schwach werden

Das Altern hat bekanntermaßen seine Tücken, körperlich-geistiger Abbau setzt früher oder später ein. Die Kurve von Intelligenz und anderen kognitiven Fähigkeiten weist in jungen Jahren aufwärts, später geht es bergab, so die gängige Meinung. Wie eine groß angelegte Studie nun zeigt, muss das nicht so sein.

Die Psychologen Joshua Hartshorne und Laura Germine testeten knapp 22.000 Menschen zwischen 10 und 71 über ihre Website testmybrain.org. Die Teilnehmer wurden unter anderem auf ihr Vokabular, ihre soziale Intelligenz, numerische Fähigkeiten und ihr Arbeitsgedächtnis untersucht ( Abstract). Es zeigt sich, dass jedes Alter seine Stärken mitbringt. Die Jüngeren zeigten hohe Verarbeitungsgeschwindigkeiten beim Umkodieren von Nummern zu Symbolen. Das Arbeits- beziehungsweise Kurzzeitgedächtnis ist durchschnittlich am besten zwischen 25 und 30, um dann langsam abzubauen. Das Erkennen emotionaler Zustände von Mitmenschen scheint sich langsam bis kurz vor 50 zu entwickeln, um danach langsam abzubauen. Der Wortschatz eines Menschen erweitert sich dagegen fast ein Leben lang.

Naturgemäß sind die Unterschiede hochindividuell, insgesamt lässt sich aber feststellen, dass der Geist nicht im Ganzen altert, sondern in bestimmten Lebensphasen Höhen und Tiefen durchlebt.

Die üblichen Einschränkungen solcher Studien gelten auch hier, sind doch die Kofaktoren, die zum Auf- oder Abbau von kognitiven Leistungen beitragen, nicht erfasst worden. Und natürlich wird jemand, der sich beispielsweise nie viel aus guten Worten und Sätzen gemacht hat, im Alter kaum zum Schriftsteller werden.

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Cognitive Enhancement Psychopharmakologie

Unter Hirndopern

»Neuro-Enhancer« befriedigen die Arbeitswütigen

Erschienen in „Junge Welt“

Heute schon gedopt? Wahrscheinlich ja. Auf jeden Fall dann, wenn Sie zu den Kaffeetrinkern gehören. Koffein ist noch immer der Deutschen liebster Wachmacher und das populärste Fördermittel für die Konzentration. Seit einiger Zeit rücken jedoch neue Mittel ins Licht der Öffentlichkeit – Medikamente, die in dem Ruf stehen, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit zu erhöhen. Die Rede ist vom „Neuro-“ oder „Cognitive Enhancement“, der Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit über das Normalmaß hinaus. Arzneimitteln wie Modafinil oder Ritalin wird nachgesagt, sie könnten den Geist auf Trab bringen. Einiges davon wurde bislang im wissenschaftlichen Versuch oder der Praxis bestätigt. Die pharmakologischen Helfer sind Zeichen einer veränderten Kultur des Drogenkonsums, die statt auf Ekstase und Entspannung auf Leistung und Durchhalten setzt.

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Gesundheitssystem

Die Neurowissenschaft kämpft mit statistischen Unzulänglichkeiten

telepolis, 17.04.2013

Signal? Rauschen?

Jörg Auf dem Hövel

Die junge Disziplin der Neurowissenschaft kämpft mit statistischen Unzulänglichkeiten

Der Meldungsstrom aus den Neurowissenschaften reißt nicht ab. Bunte Bilder zeigen Gehirnaktivitäten, Träume scheinen greif-, Gedanken dekodier-, Gedächtnisbildung beeinflussbar. Die USA spendieren 100 Millionen Dollar, um allen Neuronen beim werkeln zuzusehen (BRAIN Initiative), die EU möchte das gesamte neuronale Spiel in Silizium gießen (Human Brain Project). Nun mehrt sich Kritik, Statistiker weisen auf die Unzulänglichkeiten vieler Studienergebnisse hin. Glaubt man diesen Stimmen, steht nicht nur die Neurowissenschaft, sondern das System der medizinisch-klinischen Studien auf dem Prüfstand. Optimierungsvorschläge werden diskutiert.

Im renommierten Fachblatt „Nature Reviews Neuroscience“ ist jetzt ein Beitrag erschienen, der die statistische Aussagekraft einer Reihe von neurowissenschaftlicher Studien analysiert. Die Autoren um den Psychologen Marcus R. Munafò nahmen sich dafür alle 49 in 2011 veröffentlichten Meta-Analysen zur Brust. Diese beinhalteten wiederum 730 Studien. Das Ergebnis war in dieser Form selbst für die Autoren überraschend: Die durchschnittliche (Median) Teststärke lag aufgrund der kleinen Studiengröße bei nur 21%. Gemeinhin wird eine Teststärke von rund 80% als adäquat angesehen. Eine solche findet in vier von fünf Fällen einen Effekt – wenn denn einer existiert. Bei einer so geringen Aussagekraft wie in den untersuchten Studien steigt nicht nur die Chance, dass ein Effekt gefunden wird wo keiner ist, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass dieser überbewertet wird.

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Cognitive Enhancement

Kaffee für die gute Erinnerung?

Eine Studie will gute Effekte von Koffein auf das Langzeitgedächtnis nachgewiesen haben. Fast die Hälfte der Teilnehmer klagte allerdings über Kopfschmerzen

Erschienen in der Telepolis v. 08.02.2014
Von Jörg Auf dem Hövel

Ein Team von US-Forschern hat im Magazin Nature Neuroscience eine Studie veröffentlichen dürfen (Abstract), die einen positiven Effekt von Koffein auf das Langzeitgedächtnis nachgewiesen haben will.