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Hausgemachtes Haschisch – Kurze Einblicke in Methoden

Rezension eines wieder aufgelegten Büchleins von 1996

Die Gewinnung von Rauschhanfprodukten lebte einst, zumindest unter Cannabiskonsumenten, von einem Image, das, wenn überhaupt jemals, dann schon seit Langem nichts mehr mit dessen Realität zu tun hat.

Demnach wurde das „verdammeliche Marischuna“ (um mal einen Hausmeister zu zitieren) von netten Bauern, die selbst gerne konsumieren, in pittoresken und exotischen Ländern unter Bedingungen, die man als „Bio“ bezeichnen könnte, angebaut und nach traditionellen Methoden verarbeitet, um dann von einem ebenso sympathischen und cannabiserfahrenen, persönlich angereisten Aufkäufer in bester Qualität zu einem fairen Preis erworben und auf abenteuerlichen Wegen über Ländergrenzen hinweg, vorbei an fiesen korrupten Staatsbütteln zu den in freudiger Erwartung mit den Füssen scharrenden freakigen im Grunde ihrer Herzen kapitalismuskritischen Konsumenten in den von Materialismus gebeutelten reichen westlichen Ländern geschmuggelt zu werden, wo es dann in Pfeifen und Joints in wohlriechendem Qualm aufgehend bei seinen Inhalatoren ein herrliches an seine Herkunft erinnerndes High mit Bewusstseinserheiterung, -verbreiterung und womöglich -erweiterung auszulösen vermochte.

Tatsächlich erfolgen bis heute Anbau, Aufkauf und Handel überwiegend in relativ großem Stil und in erheblichem Umfang und keineswegs ressourcenschonend auf Kosten der lokalen Natur, in diese expandierend oder zu Ungunsten des Anbaus anderer essentieller Nutzpflanzen. Potentiell umweltschädliche und die Gesundheit beeinträchtigende Dünger, Pestizide, Fungizide etc. werden eingesetzt. Auch bei der Verarbeitung kommen mitunter toxische Lösungsmittel und Streckmittel zum Einsatz. Zum Schutz des Anbaus wie des Produkts erfolgt oft eine mehr oder weniger ausgeprägte Kriminalisierung bis hin zu Militarisierung, wenn nicht von vornherein kriminell, terroristisch oder totalitär-staatlich durchgesetzte Ausbeutungsstrukturen Anbau, Verarbeitung und Handel bis hin zum Export kontrollieren und maximal davon profitieren. Auch am anderen Ende des nicht gerade von Fairness geprägten Handelsweges stehen Strukturen des organisierten Verbrechens, die die Verteilung bis in den Kleinhandel prägen, wobei das Produkt unter nicht unbedingt fürsorglicher Handhabe qualitativ leiden mag, wenn es nicht obendrein in zusätzlich gesundheitsgefährdender Weise verfälscht wird.

Die logische Antwort des bewusst konsumierenden Genusshanffreundes auf diese Handelsrealitäten war und ist der Eigenanbau. Die weibliche Hanfpflanze, die die begehrten psychoaktiven Blütenstände ausbildet, lässt sich schlicht auf Erde im Freien, im Gewächshaus, auf dem Balkon oder am Fenster mittels Tageslicht ziehen und unter Schaffung einer die Blüte einleitenden Dunkelperiode oder seit einigen Jahren auch unter Nutzung von photoperiodisch unabhängig automatisch zur Blüte gehenden Hanfpflanzen zur Produktion eines passablen und manchmal erstaunlichen Ertrages bringen. Unter den Bedingungen der Cannabis-Prohibition ist der potentiell sichtbare Anbau dem Risiko der Entdeckung durch Strafverfolgungsbehörden, aber auch durch Diebe ausgesetzt. Der Ertrag ist von schwankenden natürlichen Bedingungen abhängig und kann diesen auch zum Opfer fallen.
In der Folge entwickelte sich der vollständig kontrollierte Anbau in geschlossenen Räumlichkeiten unter Kunstlicht. Dazu sind Grundinvestitionen notwendig, mittlerweile auf Grund von Anbauratgebern und eines florierenden professionellen Growshophandels allerdings überschaubar. Je nach Anlage sind beachtliche Stromkosten mit einzukalkulieren. Auch die Preise für hochgezüchtetes an die entsprechenden Anbaubedingungen angepasstes Saatgut oder Stecklinge, die in der Regel illegal oder semilegal erworben werden müssen, sind nicht unerheblich.

Grower, die am Ende ihrer Bemühungen mit für ihren persönlichen Bedarf bzw. für ihre Zwecke genügend getrockneten Blütenständen belohnt werden, überlegen sich meist, ob nicht doch auch Schnittabfälle verwertet und an Wirkstoffen konzentrierte Gourmet-Produkte wie Haschisch oder Grasöl hergestellt werden könnten.

Das ist an sich nichts Neues. Das erste Produkt, das beim Zupfen und Schneiden der Blütenstände anfällt, ist das klebrige Harz an Fingern, Hand und Scheren, das man zusammengekratzt als „Fingerhasch“ bezeichnet und im Prinzip dem traditionellen handgeriebenen Haschisch, wie es heute noch lokal als „Charras“ in Nordindien und Nepal gewonnen wird, entspricht.

Auf der Arbeitsunterlage für das Zupfen und die Beschneidung getrockneter Blütenstände, also z.B. einer Tischplatte, einer Glasplatte oder einem Tuch, wie auch am Grund von Dosen und Tüten, die der Aufbewahrung von getrocknetem Gras dienen, findet sich ein Pulver, das neben Staub und Pflanzenteilen auch Harzdrüsenköpfe, volkstümlich fälschlich als „Pollen“ bezeichnet, in angereicherter Form beinhaltet, wenn man so will bereits eine unreine Form eines „Haschischpulvers“.
Schaltet man ein Sieb vor oder nach, kann man grobe Stücke aus diesem Produkt heraushalten. Dieses Prinzip wird in manchen Gras-Grindern genutzt, in die zu diesem Zweck ein Sieb eingebaut ist. So kann dieses seinen Nutzern ein wenig Haschischpulver als Nebenprodukt der Grasbröselei für Rauchzwecke liefern.
Es gibt kleine spezielle Arbeitsunterlagen, die ebenfalls eine Siebungsoption mit einem Fach zum Sammeln des Harzpulvers bieten.
Auch mit Gaze oder Siebstoff aus dem Siebdruck bespannte Rahmen wurden bereits in den 1990ern benutzt, um gezielt Harzpulver vom Blütenmaterial zu gewinnen. Wichtig ist den Nutzern dabei, dass Material und Umgebung möglichst kühl sind, damit das Harz in den kleinen Harzdrüsenköpfen möglichst hart ist, und diese durch den Siebstoff rieseln können ohne ihn zu verkleben.
In ganz frischem Blütenmaterial ist das unoxidiert klare und farblose Harz bereits bei Zimmertemperatur dünnflüssig und erst bei an die Null Grad Celsius richtig hart. Mittels Lagerung wird das Harz durch Terpenverluste und chemische Prozesse zäh, durch Oxidation dunkler und in seiner Wirksamkeit verändert. Es verliert die frische Aromatik und erhält einen klassisch haschigen Charakter. Diese vorbereitenden Lagerungsprozesse sind in Ländern, wie Marokko, Libanon, Afghanistan und Pakistan, in denen Haschischpulver oft aus an der Sonne getrockneten befruchteten Samen haltigen Blütenständen traditionell durch Siebungsmethoden konzentriert wird, Teil von den Haschisch-Charakter bestimmenden Verarbeitungsprozessen. Obendrein kann dort dann schließlich in der kälteren und landwirtschaftlich weniger arbeitsintensiven Jahreszeit gesiebt werden.

Zwei auf alten Sieb-Techniken basierende Erfindungen haben in den 1990ern die Haschischgewinnung aus Rauschhanfblüten und Schnittabfällen revolutioniert: Mila Jansens von einer Waschmaschine inspirierte motorisierte Haschtrommel, der „Pollinator“, und die “Ice-o-lator“- oder „Bubble-Bag“-Technik, basierend auf der Siebung von gefrorenem Gras in Eiswasser durch mehrere immer feinere Sieb-Beutel.
Als Nebenprodukt tauchte für kleine Mengen der „Pollen-Shaker“ auf, eine Plastikröhre mit eingebautem Sieb durch das ein Haschischpulver ausgeschüttelt werden kann.
Kleine und kleinste Haschpressen ermöglichten die Herstellung von entsprechenden festen Plättchen.

Eine lange Geschichte hat auch die Herstellung von Extrakten. Fettige Extrakte auf Butterschmalzbasis, insbesondere aus an Wirkstoffen schwächerem Blattmaterial, haben in Indien Tradition und bilden die Basis für essbare „Bhangballs“ oder „Bhang“ als Getränk.
Alkoholische Extrakte mit psychoaktiven Rauschhanfwirkstoffen wurden hierzulande im 19. Jahrhundert als Tinkturen oder eingedampfte zähe Festextrakte von Ärzten rezeptiert und in Apotheken verkauft bzw. waren Bestandteil medikamentöser Zubereitungen. Dabei wurde bei der Verarbeitung des Hanfmaterials mitunter nicht nur gefiltert, eingedickt oder standardisiert, sondern auch mit Hilfe chemischer Prozesse und unter zur Hilfenahme anderer Lösungsmittel versucht, eine höhere Wirkstoffkonzentration zu erreichen.

Die Herstellung von konzentrierten eingedampften harzigen Extrakten mit Hilfe verschiedener Lösungsmittel aus Gras oder Haschisch wurde spätestens ab den 1970er Jahren auch in den Produktionsländern praktiziert um konzentriertere und besser schmuggelbare Produkte herzustellen. Als Grasöl (z.B. aus Jamaika) oder Haschöl (z.B. aus Afghanistan, Indien, Nepal, Marokko und dem Libanon) erreichte es die westlichen Länder, wurde aber wohl bevorzugt von Importeuren zum aufwertenden Strecken oder Konstruieren von Haschischprodukten eingesetzt. Selten und vergleichsweise teuer erreichte es meist über Kleinschmuggler in purer Form die Konsumenten.

Die Cannabisextraktion durch Kleinproduzenten und Konsumenten insbesondere von schwacher Importware, selbst produzierten Schnittresten und Blättern mit Hilfe von reinem Alkohol (gesundheitlich am wenigsten bedenklich, aber in Folge von Besteuerung sehr teuer), Isopropanol, Wundbenzin oder Reinigungsbenzin und anderen noch bedenklicheren Lösungsmitteln in kleinerem Umfang hat auch hierzulande bereits eine längere Geschichte. Verpuffungsgefahr, Brandgefahr und gesundheitliche Risiken durch Lösungsmittelrückstände, sowie Verlust von Aroma, wie auch Extraktion und Konzentration unerwünschter Stoffe sind Aspekte, die bei der Wahl des Lösungsmittels zu bedenken sind. Verschiedene Reinigungsschritte wie mit Hilfe von wässriger Vorextraktion, Einsatz mehrerer Lösungsmittel in Folge, sowie Einfrieren des bereits gefilterten Extraktes und Nachfiltern unter Kälte („Winterizing“) werden mitunter praktiziert. Auch Destillationen unter Vakuum zur Konzentration des THCs, Isomerisierungen (insbesondere um bei höherem Anteil an nicht psychoaktivem CBD dieses in psychoaktives THC umzuwandeln), Decarboxylierungen (um nicht oral psychoaktive THC-Säure in ganz frischem Material in oral psychoaktives THC umzuwandeln) und Ähnliches kommen mitunter zum Einsatz.

Noch immer relativ neu ist die Extraktion mit unter Druck flüssigen, aber bei Raumtemperatur schnell in den gasförmigen Zustand übergehenden Lösungsmitteln, wie Butan und Dimethyläther (DME). Sie werden aus der Gasflasche durch ein Rohr aus geeignetem Kunststoff, Glas oder Metall, u.a. bekannt als „Honeybee-Extractor“, in dem sich das gekühlte zu extrahierende Material und an dessen Ende sich ein Filter befinden, gejagt. Die austretende Lösung wird in einer Schale aufgefangen, wo sie relativ schnell von selbst verdampft und einen hochkonzentrierten öligen Extrakt hinterlässt. Dabei herrscht eine hohe Brand- und Explosionsgefahr, insbesondere, wenn dies nicht unter professioneller Lüftung oder im Freien jenseits von jeglicher Funkenquelle geschieht. Auch ist die Reinheit des Extraktionsmittels wichtig. Zu bedenken ist, dass auch lösliche Pestizide und andere schädliche Substanzen im Ausgangsmaterial sich durch Extraktions- und Konzentrationsprozesse anreichern können.
Von semiprofessionellen und professionellen Produzenten insbesondere im legalen Bereich wird der Extrakt am Ende im Idealfall noch im Vakuum abgedampft und so zumindest von Lösungsmittelrückständen weitgehend befreit. Ausgangsmaterialien und Methoden bestimmen Aussehen und Qualität der Endprodukte („Öl“, „Budder“, „Honeycomb“, „Shatter“, „Glass“ etc.). Eine eigene Rauchkultur, das „Dabben“, hat sich zu diesen Produkten entwickelt, bei der sie bevorzugt durch Glaspfeifen von erhitzten Glas- oder Metall-“Nägeln“ aus verdampft und inhaliert werden.

Von legalen professionellen Produzenten (z.B. in den USA) wird insbesondere die bereits in der Pflanzenextraktion verbreitete Extraktion mit unter Druck flüssigem Kohlendioxid in geschlossenen Kreisläufen praktiziert. Die Gerätschaften, wie man sie auch aus der Hopfenextraktion kennt, sind entsprechend kostspielig.

Wenn harzreiche getrocknete weibliche Hanfblütenstände unter Wärme und hohem Druck gepresst werden, dann sondert sich ein Teil des Harzes außerhalb des gepressten Grases als Öl ab. Dies soll Schmugglern in Jamaika schon relativ früh aufgefallen sein. Eine Technik, die sich dies zu Nutze macht, wird nach ihrem Entwickler „Rosin-Technik“ genannt, das daraus gewonnene Harz „Rosin“ statt „Resin“ (Harz). Sie ist bei Kleinproduzenten beliebt, braucht man dafür doch nur einen Haarglätter, Backpapier und vielleicht noch etwas Filterstoff („Mikron-Stoff“) aus dem Headshop nebenan. Natürlich gibt es mittlerweile auch kommerzielle professionellere Varianten.

Dieses hier nur kurz angerissene komplexe Thema wurde bereits 1996 in einem sehr schmalen Bändchen des Raymond Martin Verlages, der noch als Volksverlag in den 1970er und 1980er Jahren ein Pionier der ins Deutsche übersetzten Drogenaufklärungslektüre und psychedelischer Kunst- und Gegenkultur-Bücher war, kurz angerissen. Das kleine Büchlein mit dem neckischen Titel „Hausgemachtes Haschisch“ des Autoren Andi Haller liegt jetzt in einer attraktiv illustrierten, übersichtlich und ansprechend aufgemachten Form, ergänzt durch Hinweise auf neuere Entwicklungen vor.
Als Einstieg oder Reminiszenz an das, was so ausprobiert wurde, ist es für den Liebhaber dieser Lektüre vielleicht nützlich, für Cannabisliteratur-Afficionados womöglich sogar ein historisch interessantes Sammlerstück, als DIY (Do It Yourself)-Buch (natürlich nur unter legalen Bedingungen!) nur bedingt brauchbar. Insbesondere die bei qualitativ hochwertigem Blütenmaterial oft eher qualitätsmindernde Fermentation, eine Decarboxylierung durch Aroma schädigendes hohes Erhitzen und langes Kochen in Wasser mit Wirkstoff- und Aromaverlusten, sowie den Einsatz gesundheitlich besonders gefährlicher Lösungsmittel wie Äther, Chloroform, Benzol, Methylenchlorid und Methanol muss man heute wie damals kritisch sehen.
An der Praxis Interessierte finden im Internet viele auch filmisch dokumentierte Darstellungen. Auch einige umfangreichere ebenfalls meist englischsprachige Publikationen rund um den Cannabisanbau bieten Informationen. Wer also an der Realität praktizierter Cannabisextraktionen interessiert ist, recherchiert vermutlich eher im Internet oder greift zu Werken wie Javier Ruano Zarzuelas spanisch-englischem „Extracciones cannábicas“ von 2016 .

az

Andi Haller
„Hausgemachtes Haschisch
und andere Methoden zur Cannabis-Verarbeitung.“
Aktualisierte und ergänzte Neuausgabe von 1996
76 S., 23 farbige Abb.
Nachtschatten Verlag 2022
ISBN 978-3-03788-496-6