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Cannabis Psychoaktive Substanzen Rezensionen

Hausgemachtes Haschisch – Kurze Einblicke in Methoden

Rezension eines wieder aufgelegten Büchleins von 1996

Die Gewinnung von Rauschhanfprodukten lebte einst, zumindest unter Cannabiskonsumenten, von einem Image, das, wenn überhaupt jemals, dann schon seit Langem nichts mehr mit dessen Realität zu tun hat.

Demnach wurde das „verdammeliche Marischuna“ (um mal einen Hausmeister zu zitieren) von netten Bauern, die selbst gerne konsumieren, in pittoresken und exotischen Ländern unter Bedingungen, die man als „Bio“ bezeichnen könnte, angebaut und nach traditionellen Methoden verarbeitet, um dann von einem ebenso sympathischen und cannabiserfahrenen, persönlich angereisten Aufkäufer in bester Qualität zu einem fairen Preis erworben und auf abenteuerlichen Wegen über Ländergrenzen hinweg, vorbei an fiesen korrupten Staatsbütteln zu den in freudiger Erwartung mit den Füssen scharrenden freakigen im Grunde ihrer Herzen kapitalismuskritischen Konsumenten in den von Materialismus gebeutelten reichen westlichen Ländern geschmuggelt zu werden, wo es dann in Pfeifen und Joints in wohlriechendem Qualm aufgehend bei seinen Inhalatoren ein herrliches an seine Herkunft erinnerndes High mit Bewusstseinserheiterung, -verbreiterung und womöglich -erweiterung auszulösen vermochte.

Tatsächlich erfolgen bis heute Anbau, Aufkauf und Handel überwiegend in relativ großem Stil und in erheblichem Umfang und keineswegs ressourcenschonend auf Kosten der lokalen Natur, in diese expandierend oder zu Ungunsten des Anbaus anderer essentieller Nutzpflanzen. Potentiell umweltschädliche und die Gesundheit beeinträchtigende Dünger, Pestizide, Fungizide etc. werden eingesetzt. Auch bei der Verarbeitung kommen mitunter toxische Lösungsmittel und Streckmittel zum Einsatz. Zum Schutz des Anbaus wie des Produkts erfolgt oft eine mehr oder weniger ausgeprägte Kriminalisierung bis hin zu Militarisierung, wenn nicht von vornherein kriminell, terroristisch oder totalitär-staatlich durchgesetzte Ausbeutungsstrukturen Anbau, Verarbeitung und Handel bis hin zum Export kontrollieren und maximal davon profitieren. Auch am anderen Ende des nicht gerade von Fairness geprägten Handelsweges stehen Strukturen des organisierten Verbrechens, die die Verteilung bis in den Kleinhandel prägen, wobei das Produkt unter nicht unbedingt fürsorglicher Handhabe qualitativ leiden mag, wenn es nicht obendrein in zusätzlich gesundheitsgefährdender Weise verfälscht wird.

Die logische Antwort des bewusst konsumierenden Genusshanffreundes auf diese Handelsrealitäten war und ist der Eigenanbau. Die weibliche Hanfpflanze, die die begehrten psychoaktiven Blütenstände ausbildet, lässt sich schlicht auf Erde im Freien, im Gewächshaus, auf dem Balkon oder am Fenster mittels Tageslicht ziehen und unter Schaffung einer die Blüte einleitenden Dunkelperiode oder seit einigen Jahren auch unter Nutzung von photoperiodisch unabhängig automatisch zur Blüte gehenden Hanfpflanzen zur Produktion eines passablen und manchmal erstaunlichen Ertrages bringen. Unter den Bedingungen der Cannabis-Prohibition ist der potentiell sichtbare Anbau dem Risiko der Entdeckung durch Strafverfolgungsbehörden, aber auch durch Diebe ausgesetzt. Der Ertrag ist von schwankenden natürlichen Bedingungen abhängig und kann diesen auch zum Opfer fallen.
In der Folge entwickelte sich der vollständig kontrollierte Anbau in geschlossenen Räumlichkeiten unter Kunstlicht. Dazu sind Grundinvestitionen notwendig, mittlerweile auf Grund von Anbauratgebern und eines florierenden professionellen Growshophandels allerdings überschaubar. Je nach Anlage sind beachtliche Stromkosten mit einzukalkulieren. Auch die Preise für hochgezüchtetes an die entsprechenden Anbaubedingungen angepasstes Saatgut oder Stecklinge, die in der Regel illegal oder semilegal erworben werden müssen, sind nicht unerheblich.

Grower, die am Ende ihrer Bemühungen mit für ihren persönlichen Bedarf bzw. für ihre Zwecke genügend getrockneten Blütenständen belohnt werden, überlegen sich meist, ob nicht doch auch Schnittabfälle verwertet und an Wirkstoffen konzentrierte Gourmet-Produkte wie Haschisch oder Grasöl hergestellt werden könnten.

Das ist an sich nichts Neues. Das erste Produkt, das beim Zupfen und Schneiden der Blütenstände anfällt, ist das klebrige Harz an Fingern, Hand und Scheren, das man zusammengekratzt als „Fingerhasch“ bezeichnet und im Prinzip dem traditionellen handgeriebenen Haschisch, wie es heute noch lokal als „Charras“ in Nordindien und Nepal gewonnen wird, entspricht.

Auf der Arbeitsunterlage für das Zupfen und die Beschneidung getrockneter Blütenstände, also z.B. einer Tischplatte, einer Glasplatte oder einem Tuch, wie auch am Grund von Dosen und Tüten, die der Aufbewahrung von getrocknetem Gras dienen, findet sich ein Pulver, das neben Staub und Pflanzenteilen auch Harzdrüsenköpfe, volkstümlich fälschlich als „Pollen“ bezeichnet, in angereicherter Form beinhaltet, wenn man so will bereits eine unreine Form eines „Haschischpulvers“.
Schaltet man ein Sieb vor oder nach, kann man grobe Stücke aus diesem Produkt heraushalten. Dieses Prinzip wird in manchen Gras-Grindern genutzt, in die zu diesem Zweck ein Sieb eingebaut ist. So kann dieses seinen Nutzern ein wenig Haschischpulver als Nebenprodukt der Grasbröselei für Rauchzwecke liefern.
Es gibt kleine spezielle Arbeitsunterlagen, die ebenfalls eine Siebungsoption mit einem Fach zum Sammeln des Harzpulvers bieten.
Auch mit Gaze oder Siebstoff aus dem Siebdruck bespannte Rahmen wurden bereits in den 1990ern benutzt, um gezielt Harzpulver vom Blütenmaterial zu gewinnen. Wichtig ist den Nutzern dabei, dass Material und Umgebung möglichst kühl sind, damit das Harz in den kleinen Harzdrüsenköpfen möglichst hart ist, und diese durch den Siebstoff rieseln können ohne ihn zu verkleben.
In ganz frischem Blütenmaterial ist das unoxidiert klare und farblose Harz bereits bei Zimmertemperatur dünnflüssig und erst bei an die Null Grad Celsius richtig hart. Mittels Lagerung wird das Harz durch Terpenverluste und chemische Prozesse zäh, durch Oxidation dunkler und in seiner Wirksamkeit verändert. Es verliert die frische Aromatik und erhält einen klassisch haschigen Charakter. Diese vorbereitenden Lagerungsprozesse sind in Ländern, wie Marokko, Libanon, Afghanistan und Pakistan, in denen Haschischpulver oft aus an der Sonne getrockneten befruchteten Samen haltigen Blütenständen traditionell durch Siebungsmethoden konzentriert wird, Teil von den Haschisch-Charakter bestimmenden Verarbeitungsprozessen. Obendrein kann dort dann schließlich in der kälteren und landwirtschaftlich weniger arbeitsintensiven Jahreszeit gesiebt werden.

Zwei auf alten Sieb-Techniken basierende Erfindungen haben in den 1990ern die Haschischgewinnung aus Rauschhanfblüten und Schnittabfällen revolutioniert: Mila Jansens von einer Waschmaschine inspirierte motorisierte Haschtrommel, der „Pollinator“, und die “Ice-o-lator“- oder „Bubble-Bag“-Technik, basierend auf der Siebung von gefrorenem Gras in Eiswasser durch mehrere immer feinere Sieb-Beutel.
Als Nebenprodukt tauchte für kleine Mengen der „Pollen-Shaker“ auf, eine Plastikröhre mit eingebautem Sieb durch das ein Haschischpulver ausgeschüttelt werden kann.
Kleine und kleinste Haschpressen ermöglichten die Herstellung von entsprechenden festen Plättchen.

Eine lange Geschichte hat auch die Herstellung von Extrakten. Fettige Extrakte auf Butterschmalzbasis, insbesondere aus an Wirkstoffen schwächerem Blattmaterial, haben in Indien Tradition und bilden die Basis für essbare „Bhangballs“ oder „Bhang“ als Getränk.
Alkoholische Extrakte mit psychoaktiven Rauschhanfwirkstoffen wurden hierzulande im 19. Jahrhundert als Tinkturen oder eingedampfte zähe Festextrakte von Ärzten rezeptiert und in Apotheken verkauft bzw. waren Bestandteil medikamentöser Zubereitungen. Dabei wurde bei der Verarbeitung des Hanfmaterials mitunter nicht nur gefiltert, eingedickt oder standardisiert, sondern auch mit Hilfe chemischer Prozesse und unter zur Hilfenahme anderer Lösungsmittel versucht, eine höhere Wirkstoffkonzentration zu erreichen.

Die Herstellung von konzentrierten eingedampften harzigen Extrakten mit Hilfe verschiedener Lösungsmittel aus Gras oder Haschisch wurde spätestens ab den 1970er Jahren auch in den Produktionsländern praktiziert um konzentriertere und besser schmuggelbare Produkte herzustellen. Als Grasöl (z.B. aus Jamaika) oder Haschöl (z.B. aus Afghanistan, Indien, Nepal, Marokko und dem Libanon) erreichte es die westlichen Länder, wurde aber wohl bevorzugt von Importeuren zum aufwertenden Strecken oder Konstruieren von Haschischprodukten eingesetzt. Selten und vergleichsweise teuer erreichte es meist über Kleinschmuggler in purer Form die Konsumenten.

Die Cannabisextraktion durch Kleinproduzenten und Konsumenten insbesondere von schwacher Importware, selbst produzierten Schnittresten und Blättern mit Hilfe von reinem Alkohol (gesundheitlich am wenigsten bedenklich, aber in Folge von Besteuerung sehr teuer), Isopropanol, Wundbenzin oder Reinigungsbenzin und anderen noch bedenklicheren Lösungsmitteln in kleinerem Umfang hat auch hierzulande bereits eine längere Geschichte. Verpuffungsgefahr, Brandgefahr und gesundheitliche Risiken durch Lösungsmittelrückstände, sowie Verlust von Aroma, wie auch Extraktion und Konzentration unerwünschter Stoffe sind Aspekte, die bei der Wahl des Lösungsmittels zu bedenken sind. Verschiedene Reinigungsschritte wie mit Hilfe von wässriger Vorextraktion, Einsatz mehrerer Lösungsmittel in Folge, sowie Einfrieren des bereits gefilterten Extraktes und Nachfiltern unter Kälte („Winterizing“) werden mitunter praktiziert. Auch Destillationen unter Vakuum zur Konzentration des THCs, Isomerisierungen (insbesondere um bei höherem Anteil an nicht psychoaktivem CBD dieses in psychoaktives THC umzuwandeln), Decarboxylierungen (um nicht oral psychoaktive THC-Säure in ganz frischem Material in oral psychoaktives THC umzuwandeln) und Ähnliches kommen mitunter zum Einsatz.

Noch immer relativ neu ist die Extraktion mit unter Druck flüssigen, aber bei Raumtemperatur schnell in den gasförmigen Zustand übergehenden Lösungsmitteln, wie Butan und Dimethyläther (DME). Sie werden aus der Gasflasche durch ein Rohr aus geeignetem Kunststoff, Glas oder Metall, u.a. bekannt als „Honeybee-Extractor“, in dem sich das gekühlte zu extrahierende Material und an dessen Ende sich ein Filter befinden, gejagt. Die austretende Lösung wird in einer Schale aufgefangen, wo sie relativ schnell von selbst verdampft und einen hochkonzentrierten öligen Extrakt hinterlässt. Dabei herrscht eine hohe Brand- und Explosionsgefahr, insbesondere, wenn dies nicht unter professioneller Lüftung oder im Freien jenseits von jeglicher Funkenquelle geschieht. Auch ist die Reinheit des Extraktionsmittels wichtig. Zu bedenken ist, dass auch lösliche Pestizide und andere schädliche Substanzen im Ausgangsmaterial sich durch Extraktions- und Konzentrationsprozesse anreichern können.
Von semiprofessionellen und professionellen Produzenten insbesondere im legalen Bereich wird der Extrakt am Ende im Idealfall noch im Vakuum abgedampft und so zumindest von Lösungsmittelrückständen weitgehend befreit. Ausgangsmaterialien und Methoden bestimmen Aussehen und Qualität der Endprodukte („Öl“, „Budder“, „Honeycomb“, „Shatter“, „Glass“ etc.). Eine eigene Rauchkultur, das „Dabben“, hat sich zu diesen Produkten entwickelt, bei der sie bevorzugt durch Glaspfeifen von erhitzten Glas- oder Metall-“Nägeln“ aus verdampft und inhaliert werden.

Von legalen professionellen Produzenten (z.B. in den USA) wird insbesondere die bereits in der Pflanzenextraktion verbreitete Extraktion mit unter Druck flüssigem Kohlendioxid in geschlossenen Kreisläufen praktiziert. Die Gerätschaften, wie man sie auch aus der Hopfenextraktion kennt, sind entsprechend kostspielig.

Wenn harzreiche getrocknete weibliche Hanfblütenstände unter Wärme und hohem Druck gepresst werden, dann sondert sich ein Teil des Harzes außerhalb des gepressten Grases als Öl ab. Dies soll Schmugglern in Jamaika schon relativ früh aufgefallen sein. Eine Technik, die sich dies zu Nutze macht, wird nach ihrem Entwickler „Rosin-Technik“ genannt, das daraus gewonnene Harz „Rosin“ statt „Resin“ (Harz). Sie ist bei Kleinproduzenten beliebt, braucht man dafür doch nur einen Haarglätter, Backpapier und vielleicht noch etwas Filterstoff („Mikron-Stoff“) aus dem Headshop nebenan. Natürlich gibt es mittlerweile auch kommerzielle professionellere Varianten.

Dieses hier nur kurz angerissene komplexe Thema wurde bereits 1996 in einem sehr schmalen Bändchen des Raymond Martin Verlages, der noch als Volksverlag in den 1970er und 1980er Jahren ein Pionier der ins Deutsche übersetzten Drogenaufklärungslektüre und psychedelischer Kunst- und Gegenkultur-Bücher war, kurz angerissen. Das kleine Büchlein mit dem neckischen Titel „Hausgemachtes Haschisch“ des Autoren Andi Haller liegt jetzt in einer attraktiv illustrierten, übersichtlich und ansprechend aufgemachten Form, ergänzt durch Hinweise auf neuere Entwicklungen vor.
Als Einstieg oder Reminiszenz an das, was so ausprobiert wurde, ist es für den Liebhaber dieser Lektüre vielleicht nützlich, für Cannabisliteratur-Afficionados womöglich sogar ein historisch interessantes Sammlerstück, als DIY (Do It Yourself)-Buch (natürlich nur unter legalen Bedingungen!) nur bedingt brauchbar. Insbesondere die bei qualitativ hochwertigem Blütenmaterial oft eher qualitätsmindernde Fermentation, eine Decarboxylierung durch Aroma schädigendes hohes Erhitzen und langes Kochen in Wasser mit Wirkstoff- und Aromaverlusten, sowie den Einsatz gesundheitlich besonders gefährlicher Lösungsmittel wie Äther, Chloroform, Benzol, Methylenchlorid und Methanol muss man heute wie damals kritisch sehen.
An der Praxis Interessierte finden im Internet viele auch filmisch dokumentierte Darstellungen. Auch einige umfangreichere ebenfalls meist englischsprachige Publikationen rund um den Cannabisanbau bieten Informationen. Wer also an der Realität praktizierter Cannabisextraktionen interessiert ist, recherchiert vermutlich eher im Internet oder greift zu Werken wie Javier Ruano Zarzuelas spanisch-englischem „Extracciones cannábicas“ von 2016 .

az

Andi Haller
„Hausgemachtes Haschisch
und andere Methoden zur Cannabis-Verarbeitung.“
Aktualisierte und ergänzte Neuausgabe von 1996
76 S., 23 farbige Abb.
Nachtschatten Verlag 2022
ISBN 978-3-03788-496-6

 

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Psychoaktive Substanzen Rezensionen

Über das wichtige und aktuelle Werk von Martin Krieger zur Geschichte des Tees

Rezension von az (Achim Zubke)

Zahlreiche mitunter schön illustrierte und anekdotenreiche Bücher wurden im Laufe der Zeit über das Genussmittel Tee und seine Geschichte geschrieben. Manche oft englischsprachige Werke widmen sich detailliert Teilthemen oder sind umfangreich und kostspielig. Wissenschaftlich hat sich auch in letzter Zeit noch und hierzulande Einiges getan.

Der Kieler Historiker Martin Krieger hat u.a. zu den Themen Kaffee und Tee geforscht und bereits 2009 eine Kulturgeschichte des Tees veröffentlicht. Jetzt (2021) ist von ihm ein aktuelles Werk zur Geschichte des Tees erschienen, das sowohl neue internationale Erkenntnisse, als auch Forschungen im deutschsprachigen Raum berücksichtigt.

Die Einleitung des Buches eröffnet den Blick auf die bisherige Teegeschichtsforschung und wichtige Quellen.

Im ersten Kapitel geht es um die abenteuerliche Geschichte der Klärung von botanischer Identität, Verwandtschaft und Herkunft der Teepflanze. Wie bei vielen anderen angebauten Nutzpflanzen ist jenseits von Mythen nichts Genaues über seine Erstkultivierung bekannt. Er stammt wahrscheinlich ursprünglich aus einer Region, die dem heutigen Südwesten Chinas und angrenzender Länder entspricht. Tee gehört zu den Pflanzen, von denen man nicht weiß, ob es heute überhaupt irgendwo noch echte wilde Pflanzen gibt oder vermeintliche Wildpflanzen tatsächlich von Kultivaren abstammen. Genetische Untersuchungen werfen aktuell und wahrscheinlich noch zunehmend neues Licht auf Verwandtschaften und Ursprünge.

Im zweiten Kapitel wird beleuchtet, was wir jenseits von Mythen relativ sicher vor Allem aus literarischen Quellen über die Geschichte der Verarbeitung und Zubereitung des Tees in China und Japan wissen. Korea, das dritte von den heutigen Ländern mit der längsten dokumentierten Teekultur, aber in der gängigen Teeliteratur für die internationale Ausbreitung historisch als weniger bedeutend angesehen, wird hier nicht genauer untersucht. Auch in den historisch unter dem Einfluss Chinas stehenden südostasiatischen Nachbarkulturen wurde bereits früh Tee als Getränk eingeführt oder lokal möglicherweise schon genutzt, so im heutigen Vietnam. Auch diese interessanten wohl auch noch nicht ausreichend erforschten historischen Bezüge finden hier keine nähere Betrachtung.

Im dritten Kapitel beschreibt der Autor die Diversifizierung der Teesorten und ihrer Zubereitung in China, dem ersten Zentrum für Teeanbau, und einen präkolonialen intra-asiatischen Handel, ausgehend vom wohl ursprünglichsten unter Hitze getrockneten und gepressten Tee, der analog zum heutigen Matcha zubereitet wurde, hin zu grünem Blatttee und wohl erst relativ spät teilfermentiertem Oolong und bei steigender Nachfrage besonders westlicher Länder fermentiertem schwarzen Tee. Er weist auf die asiatischen Handelswege hin, insbesondere die Seewege bis nach Persien, und erwähnt auch die Seidenstraße nach Zentralasien und den Austauschhandel Tee gegen Pferde, geht aber nicht genauer auf die Teepfade ein.

Im vierten Kapitel erfährt man, wie sich über europäische Handelskontakte in Asien, insbesondere durch portugiesische Jesuiten und Kaufleute und Angestellte der niederländischen Ostindienkompanie mit zahlreichen in ihrem Dienst stehenden Deutschen und hier besonders aus Japan bis ins 17. Jahrhundert das Wissen vom Tee als Getränk und Heilmittel und schließlich die Teepflanze über verschiedene Publikationen und vermutlich auch über nicht dokumentierte Berichte in Europa vermehrte.

In der Zeit als chinesischer und japanischer Tee bereits als Luxusgut aus dem intra-asiatischen Seehandel unter anderen damals noch bedeutenderen Waren nach Europa mitgebracht wurde, wuchs ab den 1660er Jahren die Zahl der Publikationen, die sich mit Tee beschäftigten. Insbesondere wurden medizinische Wirkungen diskutiert. Darum geht es im fünften Kapitel. Interessant, dass ein dänischer Forscher anhand der Optik ihm vorliegender Teeblätter vermutete, dass es sich bei Tee um den nordeuropäischen Gagelstrauch („Porst“, „Porse“, botanisch heute Myrica gale) handeln könne, den man in Nordeuropa als Bierzusatz kannte.

Im sechsten Kapitel erläutert der Autor wie der Tee, wie auch das für dessen Konsum erforderliche Geschirr, über die konkurrierenden Ostindienkompanien bei steigender Nachfrage in Europa und durch nunmehr auch direkten Export über den chinesischen Hafen Kanton im 18. Jahrhundert zum bedeutenden Handelsgut wird.

Den Spuren der Verbreitung des Teegenusses und des Teehandels in Europa und den USA mit Schwerpunkt Großbritannien im 17. und 18. Jahrhundert folgt das siebente Kapitel. Hierzu gibt es anscheinend besonders viele Geschichten und Mythen. Die Ausbreitung des Tees verlief parallel zu bzw. folgte der des Kaffees. Dementsprechend wurde er zuerst nicht nur von Wohlhabenden privat, sondern auch in Kaffeehäusern ausgeschenkt. Extra angefertigte Teetische ermöglichten auch den Konsum auf „Teaparties“, sogar im Außenbereich. Die vielleicht aus Asien stammende Sitte der Zugabe von Zucker beeinflusste das Kolonialwesen und die von Milch beförderte die lokale Rinderzucht im Umfeld der Städte.

In Deutschland verbreitete sich der Teegenuss vom Ende des 17. bis Anfang des 19. Jahrhunderts als Alternative zum Kaffee insbesondere in Norddeutschland über Hafenstädte wie Hamburg und Regionen mit guten Handelskontakten in die Niederlande. Auch Seeleute brachten wahrscheinlich ihre Kenntnisse von Tee als Genussmittel mit. So etablierte sich der Teekonsum ausgehend von wirtschaftlich privilegierten Kreisen, über die Braunschweiger Messe, sowie Adelige und gesellschaftliche Eliten, wie in Weimar. Import und lokale Produktion von repräsentativen Teeutensilien nahmen zu. Entgegen heutigen Mythen wurde in Ostfriesland von den gleichen Konsumenten auch Kaffee und das mengenmäßig mehr als Tee getrunken. Darauf weist der Autor hin. Auch Alkohol wurde konsumiert. Wie es sich mit Tabak in Relation zum Teekonsum und dem von Kaffee und Schokolade verhielt, ist auch ein interessantes Thema. Mythen um regional oder in Subkulturen angeblich reinen Konsum nur eines bestimmten Genussmittels, sowie auch der Mythos von den Coffein-Drogen als den Alkoholrausch verdrängende alternative Ernüchterer am historischen Übergang in die Industrialisierung und schließlich die Moderne erfüllen in Bezug auf ideologisch begründete Sichtweisen bestimmte Funktionen, müssten aber wissenschaftlich noch einmal revisitiert und genauer untersucht werden. In der Vermarktung und Anpreisung von Psychoaktiva, wie auch in deren Verteufelung waren und sind vereinfachte Sichtweisen populär und etablieren sich so auch in wissenschaftlichen Kreisen zumindest fragmentarisch leicht als Mainstream. Der Autor widersetzt sich voreiligen Schlüssen und ermuntert so mit seiner Arbeit zu tieferer wissenschaftlicher Recherche, auch, wenn die historische Realität so am Ende komplexer und vielleicht auch nicht leicht unter einfachen Thesen subsumierbar erscheinen mag. Das sind von mir herausgestellte Aspekte, die man, durch das achte Kapitel angeregt, subjektiv schlussfolgern könnte.

Im neunten Kapitel geht es um die Bemühungen, die Teepflanze aus China und Japan heraus zu bekommen, um sie anderenorts anzubauen. Es gelang zuerst 1825 den Niederländern mittels der Hilfe eines deutschen Arztes aus japanischem Saatgut Tee auf Java anzupflanzen. Im nepalesischen Kathmandu wurden von einem Briten Teepflanzen entdeckt. Aber erst als in Assam eine lokale im Tiefland gedeihende Teevarietät entdeckt wurde, begannen auf dieser Basis Bemühungen im britisch kolonialisierten Indien kommerziell Tee anzubauen. Um die negative Handelsbilanz mit China zu kompensieren, gerade auch in Bezug auf Tee, der mit Silber bezahlt wurde, hatten insbesondere die Briten begonnen, das Land mit günstig in Indien produziertem rauchbarem Opium zu versorgen, dessen Konsum sich in China stark verbreitete. Chinesische Regierungsversuche dies zu unterbinden, mündeten in zwei Opiumkriege, die von den Briten und westlichen Verbündeten gewonnen wurden, und von China die Abtretung einiger Städte und Regionen und die Öffnung für den internationalen Handel erzwangen. In der Folge gelang es britischen Expeditionen Mitte des 19. Jahrhunderts chinesische Teepflanzen in einem Akt, den man heute als Biopiraterie bezeichnen würde, zu exportieren und einige chinesische Teeexperten zu werben, die Basis für erfolgreichen Anbau mit Produktion grünen Tees in Indien. In der Zwischenzeit hatte sich der internationale Handel durch die Einführung schneller Schiffe wie der Tea-Clipper beschleunigt und brachte so nach Europa und Amerika frischeren Tee zu den Händlern auf die Märkte und schließlich zu den Verbrauchern.

Mitte des 19. Jahrhunderts nahm im britisch kolonialisierten Indien der Teeanbau Fahrt auf. Es wurden mit Hilfe lokaler und chinesischer Sorten und Kreuzungen und europäischer Investoren und Pflanzer Anbaugebiete in Assam, Darjeeling und den südindischen Bergen erschlossen. Dafür wurden Wälder gerodet, Einheimische marginalisiert, auszubeutende Teearbeiter in die Anbauregionen gelockt, die mit Hilfe von Eisenbahnen infrastrukturell an die Märkte angebunden wurden. Die Verarbeitung zu in Europa besonders nachgefragtem Schwarztee wurde zunehmend mechanisiert und standardisiert. Auch auf der niederländisch kolonialisierten Insel Java folgte man diesen Innovationen und Expansionen. Nach dem in Folge einer Pflanzenkrankheit auf Ceylon zusammen brechenden Kaffeeanbaus gewann auch die von den Briten beherrschte Insel einen wichtigen Status in der Teeproduktion. Teeanbau wurde zudem in Ostafrika und anderenorts etabliert. Der Handelsweg von Asien und Ostafrika nach Europa verkürzte sich schließlich durch Aufkommen der Dampfschifffahrt und den Bau des Suezkanals. In China mit verbreiteter Kleinproduktion und vielen Zwischenhändlern sank dagegen die Qualität des Tees, und die lokale Ökonomie zeigte sich den durch die Konkurrenz erwachsenen Anforderungen gegenüber immer weniger gewachsen. Russland blieb ein Abnehmer. Um diese Entwicklungen geht es im zehnten Kapitel.

Der internationale Teehandel explodierte unter den neuen Bedingungen. Tee war vom Luxusgut zur Massenware geworden. Die Entwicklung von Marken, Marketing, Versandhandel und der Teebeutel-Maschine hatten daran ihren Anteil. Zwar war Großbritannien das Zentrum des Teehandels, aber ab Entstehung des Kaiserreichs 1871 erhielt der Teehandel auch in Deutschland einen Schub. Erst jetzt wurde in Ostfriesland Tee in einem Umfang konsumiert, dass er zum Identifikation stiftenden Kulturgut wurde. Hamburg wurde der wichtigste deutsche Umschlagplatz für Tee. Die folgenden Entwicklungen mit Markenbildung, Ersatzmitteln während des 1. Weltkrieges, Inflationszeit in der Weimarer Republik, Stabilisierung in den folgenden Jahren, Einschränkungen des Teehandels während der nationalsozialistischen Diktatur, Unterbrechung während des von Deutschland vorbereiteten und angezettelten Zweiten Weltkrieges, Wiederverwertung bereits aufgebrühten Tees in der britischen Besatzungszone der Nachkriegszeit und Neukonstituierung des Teehandels in der demokratischen Bundesrepublik, aber auch in kleinerem Umfang in der sozialistischen DDR-Diktatur werden im elften Kapitel geschildert.

Im Schlusskapitel stellt der Autor noch einmal heraus, dass Tee in der Vergangenheit bei mangelndem Wissen über seine Herkunft und Qualität nicht so ein Naturprodukt war, wie es Konsumenten heute gerne hätten. Tee wurde obendrein in mit Blei ausgeschlagenen Kisten transportiert, mitunter verfälscht oder mit giftigen Farbstoffen optisch aufgewertet, und war langen Seereisen ausgesetzt. Erst mittels der Entwicklungen im 19. Jahrhundert erhielten die Verbraucher ein qualitativ zuverlässiges Produkt, oft unter Markennamen. Die Wurzeln des Bildes vom Tee und der Kultur um seinen Genuss hierzulande liegen in Ostasien. Heute haben wir eine Vielfalt an Teeprodukten, eine hohe Verfügbarkeit diverser Qualitäten und Angebote schnellen, sowie kultivierten Genusses. Der Teemarkt wird allerdings dominiert von großen Unternehmen. Hier gibt der Autor einen Überblick über die aktuelle Situation und wirft auch einen kurzen Blick auf Probleme wie den Einsatz von Pestiziden und die problematische Situation von Teearbeitern in den Herkunftsländern.

In einem Anmerkungsverzeichnis finden sich die nummerierten Quellenangaben für die einzelnen Kapitel. Ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis regt zu weiterer Recherche und Kenntnisvertiefung an. Zu den Schwarz-Weiß-Abbildungen, die den Text zwischendurch auflockern und begleiten, folgt dann noch ein entsprechendes Herkunftsverzeichnis. Ein Register ermöglicht bei späterer zur Handnahme des Werkes das Wiederfinden wichtiger Persönlichkeiten und Themen.

Zusammenfassend lässt sich schlussfolgern: Ein ansprechend aufgemachtes, in Anbetracht der vorgelegten faktischen Fülle sehr gut lesbares aktuelles und wissenschaftlich fundiertes deutschsprachiges Werk ideal für einen bereits tiefen Einstieg in die Kulturgeschichte des Tees, aber auch eine unverzichtbare Bereicherung für jeden belesenen an hoher Informationsdichte interessierten Teekenner zur Rekapitulation, Korrektur und Erweiterung seines teehistorischen Wissens, das zu weiterer Beschäftigung mit Fragen zum Thema Teegeschichte anregt.

 

Martin Krieger
Geschichte des Tees.
Anbau, Handel und globale Genusskulturen
Böhlau Verlag, Wien Köln 2021
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
ISBN 978-3-412-52204-9

Gebunden, Lesebändchen, 302 Seiten, 38 SW-Abb.

 

 

 

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Psychoaktive Substanzen Rezensionen

Rezension zu: Ayahuasca und Tabak

von Jeremy Narby und Rafael Chanchari Pizuri

Wertvolle Lektüre zu aktuellen Fragen des traditionellen und modernen Gebrauchs von Ayahuasca und Tabak

Bis in die 1990er Jahre fristete das als Ayahuasca bekannte im nordwestlichen Amazonasraum als Heil- und Zaubermittel genutzte psychoaktive Gebräu, aus einer Harmala-Alkaloide enthaltenden Liane und dem Zusatz anderer Pflanzen zusammen gekocht, ein eher obskures Dasein. Psychedeliker auf der Suche nach dem ultimativen Trip folgten den Spuren des Kultautors William S. Burroughs in den Regenwald. Traveller und Backpacker nahmen es in Kolumbien, Ecuador und Peru im Rahmen von Urwaldtouren quasi als Mutprobe. Übelkeit, Schwindel, Erbrechen und eventuell Durchfall gehören zum Wirkungsspektrum. Die psychischen Wirkungen sind nicht vorhersagbar. Im Rausch ist der Berauschte relativ hilflos seiner Umgebung ausgeliefert. Erst durch zwei brasilianische Ayahuasca-Kirchen, einen organisierten Ayahuasca-Tourismus und neoschamanische Gruppen breitete sich der Gebrauch international aus. Heute ist das Internet voll mit Berichten, und es gibt zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema.

Eines der ersten Bücher einer ganzen Fülle von Publikationen, das die Aufmerksamkeit auf dieses Heilmittel konzentrierte, war „Die kosmische Schlange“ (1997 französisch, 2001 deutsch) von dem kanadischen Anthropologen Jeremy Narby, der 2 Jahre bei den peruanischen Ashaninka geforscht hatte. Nun hat er den „Ayahuasca-Komplex“ noch einmal besucht. Zu diesem gehört auch die bedeutende aber auch gefährliche Schamanenpflanze Tabak. Im vorliegenden Werk berichtet er gemeinsam mit dem peruanischen Heilkundigen Rafael Chanchari Pizuri davon. Dabei schlagen die Beiden einen Bogen zwischen zwei konträr erscheinenden Sichtweisen, der des indigenen Heilers und der Wissenschaft. Sogenannte Meisterpflanzen werden in Südamerika sowohl zu heilenden, wie auch zu böse manipulativen Zwecken eingesetzt. Das widerspricht dem esoterischen Ansatz, der nur das Positive sehen will, und der Realität, in der es zu Missbrauch, psychischen Krisen und vereinzelt Todesfällen unter KonsumentInnen im Zusammenhang mit Ayahuasca und stark nikotinhaltigem Tabak gekommen ist. Es leugnet aber nicht die Heilungspotentiale, die den am „Ayahuasca-Komplex“ beteiligten Pflanzen, die längst nicht ausreichend erforscht sind, auch aus pharmakologischer und therapeutischer Sicht, wenn sie im Kontext bewusst und bedacht Handelnder eingenommen werden, zukommen können. In den synkretistischen Ayahuasca-Kirchen und im Westen hat man sich bei der Begeisterung für Ayahuasca auf einen vergleichsweise sicheren Cocktail kapriziert, der neben den Alkaloiden aus der Ayahuasca-Liane lediglich DMT aus den Blättern jeweils einer von zwei Pflanzen enthält. Den Ayahuasca-Wirkstoffen wird dabei im Wesentlichen zugesprochen als MAO-Hemmer das DMT oral aktiv zu machen, wodurch ein starker bunter an Visionen und psychedelischen Effekten reicher Trip generiert wird. DMT, pur als Base geraucht ein stark und kurz wirkendes Psychedelikum, wird aus dieser Sicht in gewisser Weise fetischisiert. Die wertvolle indigene Entdeckung der oral wirksamen Kombi wird dabei überzeichnet gerne als psychedelisches Dschungel-Wunder dargestellt.

Heute besteht unter westlichen Konsumenten tendenziell eine machistische Nachfrage nach einem möglichst hohen DMT-Gehalt und trippigen bunten und überwältigenden Effekten. Das basiert auch auf der Autorität und den verbreiteten Ansichten einiger früher westlicher Ayahuasca-Forscher, widerspricht aber indigenen Sichtweisen. Für diese steht demnach die Ayahuasca-Liane im Zentrum der Heilwirkung. Man unterscheidet verschiedene Varianten, womöglich Chemotypen, und variiert deren Wirkung mit einem weiten Spektrum an pflanzlichen Zusätzen. Die als Hauptwirkstoffe der Liane angesehenen Harmala-Alkaloide allein können in niedrigen Dosierungen antidepressiv, in höheren die Sinne sensibilisierend und in hohen visionär und halluzinogen wirken, allerdings mit starken körperlichen Wirkungen, regelmäßig dabei Erbrechen und Durchfall, die im schamanischen Kontext als reinigend angesehen werden. Auch Tabak kann in Heilungszeremonien unter Umständen, mitunter auch mit gefährlich hohen Dosierungen zusammenhängend, visionär wirken. Die eher nikotinarmen industriellen Tabakprodukte, wie Zigaretten, die weltweit beiläufig in abhängiger Weise konsumiert werden, unterscheiden sich erheblich von ursprünglichen, aber auch nicht unbedenklichen Tabakzubereitungen. Hier und in einer Reihe anderer angesprochener Themen können wissenschaftliche Ansätze bei der Untersuchung der Pflanzen und deren therapeutischer Anwendung sicherlich eine Menge Inspirationen von traditionellen Heilern bekommen. Interessant in diesem Zusammenhang auch, dass die Personifizierung und Feminisierung von Ayahuasca unter westlich-esoterischen Nutzern als „Mutter“ oder „Großmutter“ dem indigenen Konzept einer zweideutigen Sicht auf die „Seelen“ von Meisterpflanzen widerspricht. Zu diesen und einer ganzen Reihe weiterer Themen liefert das vorliegende sehr gut lesbare Buch einen wertvollen Diskussions-Beitrag.

Dieses kleine geistreiche, gut übersetzte, ansprechend illustrierte, mit einem Index, einer wertvollen Bibliographie und einem zur Vorsicht bei gegenwärtig populären Nikotin-Applikationsformen (Vape, Schnupftabak, Snu, Rape) gemahnenden Anhang versehene, in vier Kapitel mit Einleitung und Epilog aufgeteilte Werk stellt einen wichtigen aktuellen Beitrag zu Fragen rund um Ayahuasca und Tabak dar und gehört in jede gute Ayahuasca-Bibliothek.

Jeremy Narby / Rafael Chanchari Pizuri
„Ayahuasca und Tabak.
Meisterpflanzen vom Amazonas“
Nachtschatten Verlag, Solothurn, Schweiz, 2021
www.nachtschatten.ch
116 S., 30 farbige Abb.
ISBN 978-3-03788-473-7

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Köstritz und die Geschichte der Mate-Brausen in Deutschland

„Alkoholfrei und spritzig“

Copyright by/ von Achim Zubke, Hamburg (1. Auflage in limitierter (23) signierter Printform zum 30.6.2017 anlässlich des Mate-Verwertungs- und -Brausen-Symposions „Mate in Berlin“ in der Brasilianischen Botschaft in Berlin), korrigierte und erweiterte Auflage Stand 23.10.2021) mit Abbildungen

Seit etwa 9 Jahren gibt es im Rahmen eines Kreativitätsbooms bei der Herstellung von Limonaden und Erfrischungsgetränken auch eine Fülle an neuen koffeinhaltigen Mate-Brausen und Mate-Eistees. Anfang 2018 sind mehr als 40 verschiedene Anbieter mit Dutzenden von Mate-Getränken am Markt. Natürliche Zutaten, Bio, Fairtrade, Solidarität und Originalität spielten immer öfter eine Rolle bei der Kreation neuer Produkte dieses stimulierenden Getränke-Typs. Es ist im Rahmen dieser innovativen Welle interessant, sich mit der tatsächlichen Geschichte der Mate-Brausen jenseits von Marketingkampagnen zu beschäftigen, um von ihr zu lernen.