Kategorien
Mixed Tipi Aufbau

Tipi Aufbau Anleitung

Aufbauanleitung für ein klassisches Indianer-Zelt

Die ausführliche Anleitung liegt als Datei im .pdf Format vor.

Klicken Sie hier für die Tipi-Aufbauanleitung (500 KB).

 

 

 

Kategorien
Drogenpolitik Psychoaktive Substanzen

Mal wieder schafft eine Ecstasy Studie mehr Verwirrung als Aufklärung

telepolis, 18.04.2012

Ecstasy und seine Kinder

Jörg Auf dem Hövel

Mal wieder schafft eine Drogenstudie mehr Verwirrung als Aufklärung

Die Zeiten des weit verbreiteten Ecstasykonsums sind vorbei. Gleichwohl eignet sich die psychoaktive Substanz noch immer für Überschriften, um auf die Gefahren des Drogenkonsums hinzuweisen. Unlängst berichtete Der Spiegel (15/2012) unter der Headline „Ecstasy schädigt Babys“ über eine Studie, die erstmals die Auswirkungen der Droge auf den Fötus und die spätere Entwicklung des Babys untersucht hat. Man will „gehäuft motorische Entwicklungsdefizite“ durch der Studie bewiesen sehen. Eine genauere Analyse der erhobenen Daten wirft ein differenzierteres Bild.

Für die Studie (Neurotoxicology and Teratology, Volume 34, Issue 3) wurden 96 britische Frauen nach ihrem Drogenkonsum vor und während der Schwangerschaft befragt und in diejenigen unterteilt, die dabei auf Ecstasy (in der Studie als MDMA bezeichnet) verzichtet hatten und solche, die trotz Schwangerschaft weiterhin die Droge konsumiert hatten. In Großbritannien, so schätzen Experten, werden jedes Wochenende rund eine halbe Millionen Pillen geschluckt, die unter dem Label „Ecstasy“ verkauft werden.

Schon hier fällt die erste Besonderheit auf: Alle diese Frauen waren extrem drogenaffin, sie genossen meist mehrere, legale wie illegale Substanzen während des Austragens ihres Kindes. Unter den Ecstasy-Userinnen rauchten 86%, fast alle hatten mehr oder minder viel Alkohol getrunken, satte 82% gekifft und sogar 71% mindestens einmal Kokain geschnupft. Diese imposanten Werte wurden von den 68 Ecstasy-Verweigerinnen zwar unterboten, aber auch diese Damen waren wahrlich keine Abstinenzlerinnen. 62% hatten Tabak geraucht, 91% Alkohol getrunken, 54% gekifft, 16% Kokain geschnupft.

Die Erkenntnisse beziehen sich also auf eine kleine, polytoxisch agierende Untersuchungseinheit. Die kleine Gruppe der Ecstasy-Nutzerinnen (N=28) war zum Zeitpunkt der Geburt durchschnittlich 30 Jahre alt, hatte 171 Mal in ihrem Leben die Partydroge zu sich genommen, wobei sie bei einer solchen Gelegenheit meist um die drei Pillen eingeworfen hatte.

Dies Vorweg geschickt kann man sich vorstellen, dass die Autoren der Studie sich bemüht haben, die Störvariablen herauszufiltern, was allerdings bei dem Umfang des Drogenkonsums beider Gruppen schwer gewesen sein dürfte.

Die Babys der Studienteilnehmer wurden mehreren Tests unterzogen. Ein erstes, von den Medien nicht genannten Ergebnis, sei genannt: Die untersuchten Kinder der beiden Konsumentengruppen unterschieden sich nicht in Frühgeburtsrate, Geburtsgewicht, Kopfumfang und Größe. Ebenfalls ungenannt blieb das Ergebnis des NICU Network Neurobehavioral Scale (NNNS), eines Tests, der die Babys im Alter von rund 30 Tagen auf ihre motorischen Fähigkeiten, ihre Aufmerksamkeit und Reflexe untersuchte. Denn im Durchschnitt unterschieden sich die Kinder auch hier nicht. Erst bei der Analyse der Ergebnisse ergab sich eine Trend bei den Kindern der Ecstasy-Konsumentinnen zu lethargischem Verhalten. Dieser Trend war allerdings nicht signifikant, wie die Autoren selber schreiben.

Erst bei den 4 Monate alten Kindern wurden die Autoren fündig. Hier fand man zwar bei den einigen Tests weiterhin keine Unterschiede, wohl aber beim „BRS Motor Quality Scale“. Hier will man in der Gruppe der Ecstasy-Konsumentinnen signifikant schlechter agierende Babys gefunden haben.

Selbst wenn sich die Ergebnisse in neuen Studien erhärten sollten, sagt dies wenig über die Schädlichkeit von Ecstasy aus. Denn weder ist klar, ob die Konsumentinnen tatsächlich MDMA zu sich genommen haben oder nicht eine der vielen Derivate, die seit Jahren des Markt fluten. Noch sind die aufgenommen Dosierungen klar. Auf diese Umstand angesprochen, gibt die federführende Autorin der Studie, Lynn Singer, an, dass die Spätschäden durchaus auch auf andere toxische Substanzen zurück zu führen sein könnten. „It could be that the sequelae are the result of some other toxic substance.“ Ein anderer Studienautor, Andrew Parrot von der Universität von Wales Swansea, verweist gegenüber der Telepolis auf seine Tablettenanalyse aus den späten 90er Jahren, in der ein hoher Anteil von MDMA vorherrschend war. Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle kommt in ihrem Jahresbericht von 2010 für Gesamteuropa allerdings zu einer anderen Aussage: „There are no clear trends in the MDMA content of ecstasy tablets.“ Mehr noch:

„Over the last few years, there has been a change in the content of illicit drug tablets in Europe, from a situation where most tablets analysed contained MDMA or another ecstasy-like substance (MDEA, MDA) as the only psychoactive substance, to one where the contents are more diverse, and MDMA-like substances less present. This shift has accelerated in 2009, to the extent that the only countries where MDMA-like substances continue to account for a large proportion of the tablets analysed are Italy (58%), the Netherlands (63%) and Malta (100%).“

In vielen anderen Ländern werden MDMA-Tabletten seit einigen Jahren verschiedene Piperazinderivate beigemischt, wobei zur Zeit mCPP besonders beliebt ist. Auch in Großbritannien fand der Forensic Science Service im Jahr 2010 Piperazine in Tabletten, die als Ecstasy verkauft wurden.

Was bleibt? Zum einen die altbekannte Tatsache, dass die mit dem Schwarzmarkt verbundene Reinheits- und Dosierungs-Unsicherheiten validen Aussagen über die Schädlichkeit von MDMA und anderen Drogen behindern. Wenn dann noch extrem drogenaffine Konsumentengruppen für die Untersuchung rekrutiert werden, dürfte der ursächliche Zusammenhang immer schwerer zu finden sein. Auf einem wieder anderem Blatt steht, dass bei unsicherer Faktenlage der umsichtige Umgang mit psychoaktiven Substanzen vor allem während der Schwangerschaft geboten ist.

 


Kategorien
Elektronische Kultur Gesundheitssystem

Interview mit Stephan Schleim über das Gedankenlesen

www.gedankenlesen.info

Interview mit dem Autor Stephan Schleim über sein Buch „Gedankenlesen“

Frage: Herr Schleim, wer an Gedankenlesen denkt, denkt zunächst an den klassischen Lügendetektor. Mit welcher Zuverlässigkeit können die herkömmlichen Polygraphen jemanden beim Lügen ertappen?

Stephan Schleim: Schon beim „klassischen Lügendetektor“ gibt es große Unterschiede. Interessanter als die wissenschaftlichen Daten ist hier ein Blick in die Gerichtssäle: In den USA lässt kein Gericht – außer im Bundesstaat New Mexico – den Polygraphen als Beweismittel zu. Auch in Deutschland genießt er keinen guten Ruf. Urteile des Bundesgerichtshofs aus den 1950er und 1990er Jahren erklären ihn höchstrichterlich als unzulässig. Die Begründung hierzulande wie in den USA ist, das Verfahren sei nicht wissenschaftlich gesichert.

Bringt die moderne Technik mit ihren bildgebenden Verfahren da einen Fortschritt?

Die einfache Idee vieler ist: Lügen seien gedankliche Prozesse; und Gedanken fänden im Gehirn statt; also müsse man nur das Gehirn untersuchen, et voilà, schon könne man zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden. Wer einmal selbst Hirnforschung betrieben hat, der weiß aber: In Sachen Hirn ist nichts so einfach. Dennoch ist es manchen Forschern gelungen, unter experimentellen Bedingungen auf bis zu 90 Prozent Zuverlässigkeit zu kommen. Dabei bleiben noch viele Fragen offen – es ist aber ein beachtlicher erster Erfolg.

Also ist die Unterscheidung zwischen „Lüge oder Wahrheit“ bald gerichtsverwertbar den Maschinen überlassen?

Nein, keineswegs, das ist noch unentschieden. Wenn man einem Studenten eine Spielkarte gibt und ihm sagt, er solle jetzt immer „nein“ antworten, wenn man ihn danach fragt, und ihn zudem dafür bezahlt, was heißt das? In Wirklichkeit gibt es viele Arten von Lüge, die viel komplexer sind. Wie ich im Buch argumentiere, könnte sich ein echter Lügendetektor im Sinne einer Gedankenlese-Maschine als verfassungswidrig herausstellen. Ob die Maschinen jemals im Gerichtsaal landen, das ist noch nicht abzusehen.
Stephan Schleim
Aber die Neuro-Wissenschaft erhofft sich viel von den bildgebenden Verfahren.

Ja, das ist korrekt. Nachdem die ausgerufene „Dekade des Gehirns“ (1990 bis 2000) vorüber ist und sich nun auch das „Jahrzehnt des menschlichen Gehirns“ (2000 bis 2010) dem Ende nähert, zeichnet sich jedoch ab, dass manche Hoffnungen überzogen sind. Die bildgebenden Verfahren können Erstaunliches sichtbar machen, dennoch bleibt es wichtig, genau hinzuschauen, was einem die Daten sagen. Wir messen Bildern aufgrund unserer Alltagserfahrung oft eine erhebliche Überzeugungskraft bei – aber was bedeuten Hirnbilder wirklich? Dieser Frage wurde bisher in der Öffentlichkeit kaum Aufmerksamkeit geschenkt.

Ist es nicht bis jetzt so, dass die konkreten Inhalte des Denkens nur dann ausgelesen werden können, wenn die Vorgaben durch den Versuchsaufbau sehr eng sind? Der Proband darf also an einen Kreis oder ein Quadrat denken, nicht aber an seine Mutter?

Das kommt einem bestimmten Experiment sehr nahe, bei dem ermittelt werden konnte, ob jemand gerade an ein Gesicht denkt oder an einen Ort. Das wäre nur in einem sehr reduzierten Sinne „Gedankenlesen“. Allerdings gibt es auch schon erfolgreiche Versuche, den gedanklichen Inhalten weitaus näher zu kommen. Beispielsweise wurde es mit zehn verschiedenen Objektkategorien probiert; oder auch damit, anhand der Muster von Versuchsperson A die Erlebnisse von Versuchsperson B zu bestimmen.

Der ultimative Test einer universellen Gedankenlesemaschine wäre es aber, ein Experiment frei von jeglichen Beschränkungen durchzuführen, da gebe ich Ihnen recht. Ob es jemals so weit sein wird und wenn ja, wann, darüber lässt sich heute nur spekulieren. Es lohnt sich aber, die aktuellen Fortschritte genauer anzuschauen, um eine realistische Einschätzung darüber zu gewinnen, was schon möglich ist und was noch nicht.

Und was die Gesellschaft will.

Ja, natürlich, und dafür muss man die Datenlage richtig einschätzen können. Relativ unabhängig von dem, „was die Gesellschaft will“, dürfen die Wissenschaftler erst einmal ihrer Forschung nachgehen. Aus diesen Ergebnissen können dann technische Anwendungen entstehen, die wiederum auf die Gesellschaft rückwirken. Das wird am Beispiel der Lügendetektion mit dem Hirnscanner deutlich, wo zwei Firmen in den USA seit Kurzem mit Hirnforschern kooperieren, um diese Anwendung marktreif zu machen. Eine von beiden Firmen, „No Lie MRI“, will jetzt auch in den europäischen Markt einsteigen und plant dafür gerade eine Vorführung in der Schweiz.

Gesetzt den Fall, das Auslesen von Gedanken verfeinert sich immer mehr, lässt sich schon absehen, ob dies Auswirkungen auf das Selbstbild des Menschen haben wird? Ich kann mir vorstellen, einige Philosophen sichern schon das Terrain.

[lacht] Ja, tatsächlich versuche ich selbst, da einen Fuß in die Tür zu bekommen. Ein schlechtes Beispiel für einen viel beschworenen Einfluss auf das Selbstbild, manchmal wurde gar von einer „Kränkung des Subjekts“ geredet, stellt meines Erachtens die Willensfreiheitsdebatte dar. Da wurden manchmal Behauptungen aufgestellt, ohne überhaupt die Bedeutung solcher Wörter wie „Wille“ oder „Freiheit“ zu reflektieren. Ich frage mich, hat irgendein Mensch in Deutschland durch diese Diskussion aufgehört daran zu glauben, dass er – zumindest manchmal – aus freien Stücken handelt?
Ich wünsche mir, dass wir eine kritische Neurophilosophie bekommen, damit sich so eine verfehlte Diskussion nicht wiederholt; und ich wünsche mir, dass sich auch mehr Laien trauen, sich mit der Hirnforschung philosophisch auseinanderzusetzen: Einerseits gibt es dort nämlich wirklich Interessantes über den Menschen zu lernen, andererseits würde es dazu beitragen, dass sich die Diskussion nicht im abstrakten Raum des akademischen Elfenbeinturms verliert.

Existieren eigentlich Untersuchungen darüber, ob Liebe und Empathie uns tatsächlich die Gedanken des anderen fühlen lassen können – oder ist das ein gänzlich anderes Feld?

Was Sie ansprechen, ist sogar ein traditionelleres Forschungsfeld als das „Gedankenlesen“ in dem Sinne, wie ich es verwende. Von Natur aus können wir nämlich bestimmte Fähigkeiten entwickeln, die Gedanken eines anderen besser nachzuempfinden oder auch zu manipulieren. Haben Sie schon einmal Poker gespielt? Dann wissen Sie, wie schwer es ist. Wären wir aber perfekte Gedankenleser, dann würden solche Spiele keinen Sinn machen und auch unser sozialer Alltag wäre wesentlich härter. Das selbsterklärte Ziel der Forscher ist es nun aber gerade, es mit Hightech besser zu machen, als wir es von Natur aus können. Es bleibt spannend zu verfolgen, wie dieses Wettrennen ausgehen wird.

Das Interview führte Jörg Auf dem Hövel